Kann eine Schere glücklich machen?

Flohmärkte, "Beifänge", Museums-Besuche, Wetterfühligkeit von Nähmaschinen usw.
rubberduck
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Re: Kann eine Schere glücklich machen?

Beitrag von rubberduck »

Antwort zur Themenüberschrift: JA!!!!!!
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ravemachine
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Re: Kann eine Schere glücklich machen?

Beitrag von ravemachine »

emmi hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 14:02 In einem alten Nähkästchen fand ich eine Schere. Sie sah gediegen aus und lag bequem in der Hand. Ich brachte sie ins Fachgeschäft zur Aufarbeitung und bezahlte 12,00 € dafür. Nun gefiel mir die Schere noch besser. Auch die Leiterin des Nähkurses lobte sie und bezeichnete sie als "besser als alle 20,00-€-Scheren aus dem Stoffladen". Meine eigene 20,00-€-Schere aus dem Stoffladen ernannte ich zu meiner "besten Papierschere".

Aber: Schon bald störte mich, dass die Schere ungefähr zwei Zentimenter vor ihrer Spitze mit dem Schneiden stockte und partout nicht weiterschnitt. Setzte man die Schere allerdings erst ungefähr zwei Zentimeter vor ihrer Spitze an den Stoff an, schnitt sie makellos bis zur Spitze.

Damit hatte ich mich fast abgefunden, als mein Mann letztes Wochenende nach zu schleifenden Messern und Scheren fragte. Er wollte zum Volksfest gehen, das hier zur Zeit stattfindet, und den Scherenschleifer an seinem Stand aufsuchen. Ich war skeptisch, gab ihm aber meine "gute Schere" mit, nicht ohne vorher das Problem mit ihr zu schildern und zu demonstrieren. Mein Mann kam zurück mit einer absolut perfekten Schere und einem Flyer samt Webadresse des Scherenschleifers. Der Scherenschleifer habe gesagt, es handele sich um eine "sehr gute Schere". Beim Probeschnitt in eigenen Stoff stellte er einen "Haken" fest und beseitigte ihn. Jetzt schneidet die Schere Stoff vom Ende ihrer Klingen bis vorn zur äußersten Spitze in einem Zug durch. Präzise, leicht und sanft. Ich freue mich sehr.

smile
emmi

Gratulation zu Deiner Schneiderschere von Carl Schlieper. lol16

Hier etwas zur Geschichte der Firma, belegbar durch Zeitungsartikel (die KI hat geholfen):

Hauptsitz Remscheid (Gründung 1754): Gegründet im Remscheider Stadtteil Cronenberg (heute zu Wuppertal gehörend), fungierte das Haupthaus „Carl Schlieper Stahlwarenfabrik & Export“ primär als globales Handelshaus. Von hier aus wurde „Hardware“ aller Art – von Werkzeugen über Safes bis hin zu schweren Maschinen – weltweit (insbesondere nach Südostasien) exportiert.Zweigniederlassung Solingen (Gründung 1897/1898): Um direkten Zugriff auf die weltberühmte Solinger Klingenproduktion zu haben, wurde eine eigene Zweigniederlassung bzw. Tochtergesellschaft in Solingen ins Leben gerufen. Diese koordinierte die Zusammenarbeit mit den Solinger Werkstätten und fertigte hochwertige Taschenmesser, Rasiermesser und Blankwaffen.

Korium Steel“ als Klingen- und Werkzeugstahl: Carl Schlieper nutzte den Begriff „Korium Steel“ (teilweise auch als Klingeätzung „Korium Steel“ oder „Korium Forged“ ausgeführt) als geschützten Handelsnamen für eine bestimmte, hochwertige Stahlsorte.Einsatz bei Taschenmessern: Insbesondere bei den für den amerikanischen Markt produzierten „German Eye“-Taschenmessern (z. B. dem klassischen Stockman-Messer) findet man historische Stücke mit der Ätzung „Korium Steel“ auf der Hauptklinge.Einsatz bei Werkzeugen: Da das Schlieper-Stammhaus in Remscheid auch ein bedeutender Werkzeugexporteur war, wurden sogar hochwertige Schraubenschlüssel (Gabelschlüssel) mit der Prägung „Carl Schlieper - Korium Steel“ vertrieben.

In der Nachkriegszeit (vor allem in den 1950er-Jahren) vertrieb Carl Schlieper – oft in Kooperation mit anderen Solinger Herstellern wie Jowika – die berühmten Korium-Dolche und Fahrtenmesser. Diese Messer wurden massenhaft in die USA exportiert (häufig beworben in damaligen Magazinen) und zeichnen sich durch ein sehr markantes Design aus.

Eine „Korium“-Schere der Marke Carl Schlieper (Carl Schlieper Cutlery Co.) ist ein seltenes und historisches Qualitätswerkzeug aus der Solinger Nachkriegsproduktion. Während die Bezeichnung „Korium“ vor allem für Fahrtenmesser bekannt ist, brachte Schlieper unter dieser Marke auch hochwertige Scheren auf den Markt.

Merkmale und Typen der Korium-Scheren:

Die Scheren wurden im 20. Jahrhundert (vorwiegend in den 1950er- bis 1970er-Jahren) in Solingen gefertigt und zeichnen sich durch spezifische Qualitätsmerkmale aus:Das Material („Korium Steel“): Die Scheren bestehen aus dem von Schlieper geschützten, besonders schnitthaltigen und gehärteten Spezialstahl („Korium / Korium Stainless Steel“).
Häufige Varianten:

Schneiderscheren: Große, schwere Stahlscheren mit markanter Justierschraube und ergonomisch asymmetrischen Augen (Grifflöchern) für präzise Schnitte in Stoff.

Friseurscheren: Schlanke, feine Haarscheren, die oft für den Export bestimmt waren.

Die Prägung: Auf den Scherenblättern befindet sich meist die eingestanzte oder geätzte Aufschrift „Korium“ oder „Korium Stainless Steel“, kombiniert mit dem Herstellernamen „Carl Schlieper Cutlery Co.“ oder dem bekannten Solingen-Stempel.

Da die Produktion von Carl Schlieper in Solingen vor langer Zeit eingestellt wurde, handelt es sich bei diesen Scheren heute um begehrte Sammlerobjekte. Viele Exemplare sind aufgrund der hohen Stahlqualität auch heute noch voll funktionstüchtig und extrem scharf.

Ich habe aktuell "Korium"-Scheren von Carl Schlieper in thailändischen und südafrikanischen Auktionen entdeckt.
Viele Grüße
Paul
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emmi
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Registriert: Di 19. Dez 2023, 16:27

Re: Kann eine Schere glücklich machen?

Beitrag von emmi »

Danke, Paul, fürs Nachforschen und den Bericht! Den Bericht habe ich mehrmals gelesen. Die Schere, ein Zufallsfund in einem beim Trödler gekauften prall gefüllten Nähkästchen, liegt mir jetzt noch besser in der Hand. So ein gutes Stück!
Grüße
emmi
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