Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Flohmärkte, "Beifänge", Museums-Besuche, Wetterfühligkeit von Nähmaschinen usw.
Samira
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von Samira »

rubberduck hat geschrieben: ↑Mi 5. Aug 2026, 20:20
P.S.: Wenn ich hier schon eine angehende Kunsthistorikerin "am Haken habe", so kannst du mir vielleicht auch helfen!
Ich habe ein Gemälde (wahrscheinich Öl auf Leinwand) mit Signatur, kann aber damit garnichst anfangen und auch Internet Recherchen verliefen erfolglos!

IMG_2184.JPG
IMG_2185.JPG
IMG_2187.JPG
Hallo Rubberduck:)
Der Hinweis zu Frank Bräuer ist ziemlich gut. Solche Gemälde wurden ab Beginn des 20. Jahrhunderts gemalt. Sind auf der Rückseite vielleicht noch Aufkleber oder Notizen? Wenn du weißt, in was für einem Rahmen das Gemälde vorher war (oder ob es überhaupt ja einen hatte), könnte das auch weitere Informationen preisgeben.

Liebe Grüße!
Samira

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Samira
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von Samira »

Danke euch für die ganzen Informationen! Das hilft mir schon sehr weiter.

Das Sitte die Nähmaschine falschherum gemalt hat, finde ich auch sehr spannend. Vielleicht hat er ein Foto einer Nähmaschine (ohne Person) abgemalt oder nur aus der Erinnerung.

@ravemachine: Sitte war tatsächlich sehr begeistert von Picasso und malt hier in Anlehnung zum Kubismus:)

Nochmal vielen Dank und liebe Grüße
Samira
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ravemachine
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von ravemachine »

Hallo Samira,

wenn Du etwas zu dem Thema veröffentlichst, dann lasse uns gerne daran teilhaben.

Ich liebe Kunst und Nähmaschinen. smile
Viele Grüße
Paul
Bobo
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von Bobo »

Das ist ja mal ein interessantes Thema :)
Falls es für irgend jemanden nicht klar raus kam:
Margarete Steiff bediente ihre Nähmaschine von der Hinterseite aus.
Die Frau im Bild erinnert aber so gar nicht an sie, weshalb ich mir diesen Hintergedanken des Künstlers nicht vorstellen kann.
Anker RZ Automatic de luxe, Anker RZ, Gritzner VZB, Pfaff 230 Automatic Senior und Junior, Necchi Lelia 513, Singer 316G, Singer 66, Singer Starlet 354, Bernina Record 730, Phoenix 16, St. Gerster Langschiffchen
Makatea
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von Makatea »

Samira hat geschrieben: ↑Fr 7. Aug 2026, 10:36 Das Sitte die Nähmaschine falschherum gemalt hat, finde ich auch sehr spannend. Vielleicht hat er ein Foto einer Nähmaschine (ohne Person) abgemalt oder nur aus der Erinnerung.
Es gibt auch linksständige Nähmaschinen (also welche, die spiegelverkehrt zu den gängigen Maschinen aufgebaut sind), die sind aber eher selten und eher im gewerblichen Bereich anzutreffen. Ob es von dieser Bauart bereits linksständige Versionen gab, entzieht sich meiner Kenntnis.
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ravemachine
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von ravemachine »

Nein, eine linksständige Langschiff-Nähmaschine gibt es nicht.

Gegen eine linksständige Maschine spricht auch der Spuler (er wäre dann auf der Rückseite angebracht) und die Beschriftung des Nähmaschinentisches (von der Frau aus gesehen ist sie spiegelverkehrt).

Die ersten linksständigen Nähmaschinen sind wohl Ringsichff-Handwerker-Nähmaschine, die es ab den 1890er Jahren gab.
Viele Grüße
Paul
Makatea
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von Makatea »

Wieder was gelernt, vielen Dank für die Aufklärung...
Samira
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von Samira »

Hallihallo,

mein Text ist abgegeben und wartet auf seine Benotung. Danke euch nochmal sehr für die regen Diskussionen und lieben Antworten! sd11
Das ist der finale Text (leider auf 800 Zeichen begrenzt):
Eine Frau an einer stilisierten Nähmaschine – doch sie sitzt an der Rückseite, das Handrad liegt links statt rechts. Warum hat Sitte die Maschine verkehrt herum dargestellt?
Ob die Frau zu Hause oder am Arbeitsplatz näht, bleibt offen. In der DDR waren Frauen zugleich als Arbeiterinnen und Mütter gefordert. Verdichtet Sitte diese Doppelrolle in der Figur der Näherin?
Trotz des Arbeitsmotivs entspricht das Bild kaum dem propagandistischen Ideal des sozialistischen Realismus. Der Autodidakt war in den 1950er Jahren noch in einer stilistischen Findungsphase: Kubistische Strukturen, getrennte Farbflächen und schwarze Konturen erinnern an Picasso und Léger – Einflüsse, die von den kulturpolitischen Vorgaben der DDR abwichen. Spätere Werke wirken plastischer und körperbetonter.


Und das sind noch weitere Informationen, die ich zusammentragen konnte (leider nicht so zahlreich, wie ich es gerne gehabt hätte, aber auch sehr spannend):
  • Auf der Rückseite klebt ein Aufkleber der Kunstvereinigung „Die Fähre“. Sitte war dort Mitglied und 1948 auch an Ausstellungen im Marktschlösschen beteiligt. 1949 schloss sich die Vereinigung jedoch dem gewerkschaftlich organisierten „Schutzverband bildender Künstler“ an. Warum der Aufkleber auf dem Bild von 1955 klebt, konnte nicht geklärt werden. Die Handschrift auf dem Aufkleber war auf den Fotografien leider nicht zu entziffern. Die angegebene Adresse scheint jedoch weder mit bekannten Adressen Sittes – Frohe Zukunft 1, Halle (Saale) (Schmidt 1996) oder Von-Arnim-Straße, Halle (Saale) um 1948 (Bauer-Friedrich und Kaiser 2021, 51) – noch mit der Adresse des Marktschlösschens (Markt 13, Halle (Saale)) übereinzustimmen.
  • Bei der Nähmaschine handelt es sich um eine gusseiserne Langschiffchen-Nähmaschine. Sie ist in Relation zur Frau falsch herum dargestellt. Ein Modell lässt sich nicht eindeutig bestimmen, höchstwahrscheinlich handelt es sich jedoch um eine Singer Typ B. Damit ist nicht der Hersteller gemeint, sondern lediglich die Bauart (Nähmaschinenfreunde 2026). Es handelt sich demnach um einen Singer-Klon. Relativ sicher auszuschließen ist, dass es sich um eine Veritas- oder Naumann-Maschine handelt, wie sie im Werk in Wittenberge hergestellt wurden (Nähmaschinenverzeichnis).
  • Das Gemälde wurde unmittelbar vor dem Verkauf an die Grundkreditbank am 3. Oktober 1991 direkt vom Künstler erworben. Dies spricht für eine direkte Auswahl bzw. Vermittlung aus dem Atelier (Annette Ciré, Galerie Brusberg, persönliche Mitteilung per E-Mail, 27.8.2026).
  • Das Gemälde zeigt Ähnlichkeiten zu "Die Schneiderin" (La Couturière) des spanischen Künstlers Óscar Domínguez aus dem Jahr 1943. Eine Verbindung zwischen den beiden Künstlern konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.
Das Bild ist im Besitz der Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank, wird dort aber nicht dauerhaft ausgestellt. Besonders interessant finde ich, dass es (mit Ausnahme von Katalogen der Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank) in keinem Werkverzeichnis von Sitte auftaucht oder auch nur erwähnt wird.

Nochmal vielen Dank! Ich hoffe, euch gefällt der Text.
Beste Grüße
Samira
Makatea
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von Makatea »

Wow, da hast Du ja auch in andere Richtungen tief gebohrt,
vielen Dank, daß Du Dich mit dem Ergebnis nochmal zurückmeldest.
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ravemachine
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Re: Willi Sitte - Frau an der Nähmaschine

Beitrag von ravemachine »

Ich drücke Dir die Daumen. smile
Viele Grüße
Paul
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