Bobo hat geschrieben: ↑Do 12. Mär 2026, 14:56
Ein herzliches Willkommen!
auch von mir.
Deine Interessen hören sich ja spannend an und klingen sehr danach, daß Du wunderbar zu uns passt
Wenn Du es erzählen magst, wäre ich interessiert zu wissen, wie Du zu Deinen Interessen gekommen bist. Sie sind ja doch recht außergewöhnlich. "...nerven meines Umkreises mit nieschigem Textilwissen": ich bin seit jeher Meister darin, Leute mit Inhalten meines Interesses zuzutexten. Standardsatz meiner Mutter war: "Merkst Du eigentlich nicht, daß das Dein Gegenüber gar nicht interessiert?" Kürzlich ließ sie eine Bemerkung fallen, daß sie ja versucht habe, mir beizubringen...

Nein, merke ich, wenn überhaupt, erst sehr spät. Das ist so schön hier: es interessiert halt doch. Und wen es nicht interessiert, muß es ja nicht lesen!
Ich bin neugierig und freue mich schon, viel von Dir zu lesen.
Liebe Grüße
Gundi
Das wird jetzt
sehr lang, aber sind ja auch viele Interessen, und wenn's dich dann doch nicht so sehr interessiert...
Ich bin von Kindheit an schon auf den Grenzen zwischen Geisteswissenschaften, Kunst und Mathematik/Naturwissenschaften rumbalanciert.
Mit 13 wollte ich Geschichte studieren, aber am Ende war mein Interesse daran in der Breite nicht tief genug. Zwischen 14 und 18 kamen für mich Informatik und Biologie, aber auch Grafikdesign und sogar Nagelkunst in Frage (das ist ein Hobby, dass ich oben vergessen habe).
Nach einem Schulpraktikum in einer Grafikabteilung habe ich aber festgestellt, dass ich mir das beruflich schlecht vorstellen konnte, Nageldesign ist in D leider kein klassischer Ausbildungsberuf und Biologie hatte für mich das gleiche Problem wie Geschichte, da mein Interesse dort vorallem bei Genetik lag.
An Computern und schließlich der Informatik habe ich wegen Videospielen Interesse entwickelt, anders als üblich habe ich aber später an der Uni mehr Spaß an der theoretischen Informatik gehabt als am Programmieren oder an Hardware. Mein erster Freund hat mir dann auch noch die GNU-Linux Betriebsysteme gezeigt, mit denen ich mich nun auch außerhalb der Uni gerne beschäftige.
Am Ende bin ich im Studium bei Physik mit Nebenfach Informatik gelandet. Dazwischen ist noch einiges passiert, was ich hier aber lieber nicht aufrollen möchte.
Philosophie ist ein recht häufiges Interesse unter Mathematikern und Physikern, vorallem unter den Theoretikern. Wenn man sich mit Logik, Kategorien, den Regeln unserer Welt und deren Ursprung auseinandersetzt, tritt man sehr schnell auf und über die Grenze zur Gedankenwissenschaft.
Als Teenager bin ich auch an Manga und Anime gekommen, habe aber sehr schnell auch Interesse an allgemeiner japanischer Kultur entwickelt. ZB habe ich mich intensiv mit dem traditionellen Tragen von Kimonos befasst und mit Räucherlachs rudimentäres Sushi gerollt.
An die russische Kultur kam ich ähnlich zufällig. Irgendwie fand ich den Osten immer etwas interessanter als andere Regionen und ab Anfang 20 auch immer mal wieder zufällig russischsprachige Musik gehört. Vor ein paar Jahren habe ich mich dann mit russischen Kommilitonen angefreundet, habe angefangen mehr russische Musik als englische zu hören und nun, von Freundschaften und Sprache zu Kultur ist es ja gerade mal ein Katzensprung. Eigendlich habe ich kein großes Interesse an Sprachen, Russisch hat es mir aber vom Klang her sehr angetan, und da ich für mein Studium so oder so Sprachkurse ablegen muss, werde ich die Sprache hoffentlich bald lernen. Wobei ich nicht erwarte, dass ich da schnell gut werde, Russisch ist sehr anspruchsvoll, von dem was mir meine Kumpel so erzählen.
An die Fotographie kam ich mit 16 durch den Freund meiner Mutter, der Amateurfotograph ist und mir die Kamera seiner Tochter geliehen hat. Ich hatte wie gesagt immer eine künstlerische Ader, war aber kein Naturtalent in den klassischen Künsten, und obwohl ich sehr viel gezeichnet habe, hatte ich nie genug Motivation um wirklich technisch gut darin zu werden.
Das Fotographieren lag mir hingegen sofort und war quasi eine Weiterentwicklung von meinem ursprünglichen Interesse am Grafikdesign. Zum 17ten Geburtstag hat mir Mutterns Freund dann eine Nikon D80 geschenkt, und das Hobby war besiegelt.
Orchideen kamen irgendwann zwischendurch zufällig dazu, Pflanzen mögen viele Kinder ja so oder so. Ich war speziell bei Orchideen zuerst sehr angezogen von der recht einzigartigen Pflanzenform und Pflege, dann von der enormen Artenvielfalt und durch mein Interesse an Genetik habe ich schließlich auch angefangen mich mit der Züchtung zu befassen. Aktuell habe ich leider keine Orchideen mehr, will irgendwann(TM) aber unbedingt wieder welche haben. Vor allem Zygopetalae haben es mir sehr angetan und Cymbidien sind auch unheimlich schön, beide sind für mein Zimmer aber zu groß. Eine Oncidium Tiny Twinkle wäre eine Anschaffung, die ich mal machen könnte. Die meisten Wildtypen kann man leider nicht so ohne weiteres auf der Fensterbank halten, ein eigenes Orchideenterrarium wäre der Traum.
Gesammelt habe ich schon immer gerne alles mögliche. Steine, Flummies, die üblichen Verdächtigen eben. Von meiner Tante bekam ich im Grundschulalter mein erstes Briefmarkenalbum und habe da einfach immer weitergemacht. An die Expo 2000 kam ich, weil ich als Kind die Zeichentrickserie mit dem Makottchen Twipsy gesehen habe. Warum ich da so ins Sammelfieber verfallen bin, kann ich mir bis heute nicht erklären. Es macht mich einfach glücklich.
An die Zeichensachen kam ich über das Design von Nadelspitzen, da ich mich auch für Technik und, ganz lapidar gesagt "altes Zeug" allgemein interessiere, war das Sammeln im Bereich "Technisches Zeichnen" eine sich selbsterklärende Entwicklung.
Zum ganz großen Fisch, den Textilien, kam ich durch eine vage Erinnerung mit 18, dass ich als Kind mal Spaß am Häkeln gehabt hatte. Also fing ich wieder damit an.
Beim Häkeln war ich sehr schnell angezogen von Häkelspitzen, eins meiner ersten Projekte war eine Spitzenarmstulpe die ich mir selbst aus mehreren Mustern zusammengereimt habe. Fertig wurde sie nie, aber es war der erste große Sprung eine Pfütze, die sich schnell zu einem Ozean ausweitete.
Als ich nämlich online nach Mustern für Häkelspitzen gesucht habe, kam ich auf das Filet-Häkeln und zur irischen Häkelspitze.
Vom Filet-Häkeln ging es dann zu den echten Filetspitzen und den runden Teneriffa-Spitzen und durch die irische Häkelspitze kam ich schlussendlich zur Nadelspitze, die sich schnell zu meinem Hauptgebiet entwickelt hat. Nenn' mir ein Buch über Nadelspitze und es steht wahrscheinlich in meinem Regal.
Irgendwo zwischendurch habe ich auch noch Schiffchenspitze aufgegabelt und stricken gelernt, auch gestickt habe ich hier und dort schon.
Es gibt aber durchaus ein paar Spitzenarten, die ich selbst noch nicht ausprobiert habe. So hatte ich zB noch nicht den Drang, mich praktisch mit dem Klöppeln auseinander zu setzen, und es hat einige Unterarten der Knoten- und Nadelspitzen, an denen ich mich noch nicht probiert habe.
Über lange Zeitstrecken konnte ich mich leider auch nur theoretisch mit dem Handarbeiten auseinandersetzen, obwohl ich also sehr viel angefangen und geübt habe, habe ich dafür leider nicht viel vorzuzeigen.
Auf historische Kleidung bin ich, ungelogen, durch ein Videospiel gekommen: Bioshock Infinite. Die Handlung spielt sich in 1912 ab, also zum Ende der Edwardischen Era hin. Ich bin zufällig über Zeichnungen von einer Künstlerin gestolpert, die mehrere Charaktere für das Spiel konzipiert hat, und war sofort verliebt. Die viktorianische Wespentaille die man ja heute immernoch hier und da mal im modernen Kontext sieht, hatte mich bis dahin nie angesprochen.
Aber die edwardische Taubenbrust fand mein Hirn aus irgendeinem Grund unglaublich schön. Vielleicht weil ich selbst ein ziemliches Hohlkreuz habe, man ist sich selbst am nächsten und so...
Hier wiederholte sich nun das Spiel, dass ich 5 Jahre zuvor schon einmal mit Kimonos gespielt hatte, nur dass ich diesmal durch die kulturelle Nähe viel mehr Mittel hatte, da wirklich einzutauchen.
Nun kann man eine Stilperiode nicht verstehen, wenn man nicht auch die davor erforscht, und so hat sich das Interesse inzwischen auch weiter nach hinten ausgeweitet. Nach vorne auch etwas, aber eher weniger.
Zudem kann man die historische Entwicklung von Kleidung, vorallem von Frauenkleidung im 19. und 20. Jahrhundert, nicht nachvollziehen, ohne sich auch ein gewisses Maß an Geschichtswissen anzueignen, vorallem im Hinblick auf andere dekorative Künste, aber auch die existieren selber im allgemein-historischischen Kontext der Zeiten.
Wenn man sich also für Geschichte und Technik interessiert, dann auch noch einen besten Freund hat, der eine ansteckende Begeisterung für Autos und Flugzeuge hat, und dann leider Gottes ein paar Länder weiter auch noch ein Krieg das eigene Befinden zum Thema Militär komplett umkrempelt, dann wird man, oder zumindest ich, plötzlich zu einem Angriffskrieggegner mit einem Interesse an Militärtechnik.
Hinzu kommt noch, dass die größten Fortschritte der Physik und quasi die ganze Informatik aus der Miltitärentwicklung gewachsen sind, und an Unis durchaus direkt oder indirekt Militärforschung betrieben wird. Berührungspunkte mit der Thematik waren bei mir also so oder so schon gegeben.
Nun nehme man das alles, knete es gut zu einer Masse zusammen, forme es in eine einmeterachtundsechzig große Menschengestalt und *zack* hat man mich da stehen.
Ich hoffe es war interessant und ab und an auch unterhaltsam zu lesen.
Tatsächlich habe ich mir vorher noch nie so wirklich Gedanken darüber gemacht, wie meine ganzen Interessen eigendlich so zusammengekommen sind, von daher hatte ich jetzt selbst viel Spaß daran, das mal genauer aufzudröseln. Und festzustellen, dass das alles ja doch eigendlich, im Großen und Ganzen und überhaupt, sehr viel Sinn ergibt.
Liebe Grüße, ich geh' jetzt erstmal was fuddern.
Strobel Klasse 144 (Pedal), Singer 28 (Handkurbel), Singer 15 (nackig), Singer 206 (Kniehebel), Singer Tradition, Noname Overlock