Das Schnittmuster für die Schlafanzugjacke ist viel zu knapp. Es ist nämlich für ein langes schlankes Hasentier entworfen worden. Das Muster muss geändert werden.
Aus meinen früheren Erfahrungen mit Puppenkleidung weiß ich noch, dass ich den Stoff immer dünn und geschmeidig wählte. Ich fand solches Material an den kleinen Puppenpersonen natürlicher und selbstverständlicher als "sperrigen" Stoff. Außerdem war ich immer auf eine enge Fadendichte aus. Die Nähte halten besser. Damals veräuberte man Nähte noch mit Zickzack-Nähten an beiden Nahtüberständen und bügelte die Überstände nach beiden Seiten aus. Wenn dann ein kleiner Zickzackstich nur zwei oder drei Fäden umfasst, ist mit solcher Versäuberung nicht viel los... Wenn die Fäden aber dicht liegen, kann die Zickzacknaht mehr Fäden erfassen. Auch "nahtarm" wollte ich die Puppenkleidung nähen. Nicht alles ist en miniature möglich, schon gar nicht mit Nähmaschen. Deshalb wollte ich alles möglichst vereinfachen.
Das Schnittmuster für die Schlafanzugjacke ist so niedlich - und gleichzeitig das glatte Gegenteil von meinen Näh-Idealen. Nähte über Nähte. Versäubert werden sollen sie kurz und knapp mit einer Zickzackschere. Zickzackschere finde ich prima für Innenliegendes und nochmal Zugenähtes. Dieses Ausdünnen ist wirksamer als hier und da ein "Knipser". Ich zeige Euch morgen noch Puppenwindeln, die im Innenleben mit der Zickzackschere behandelt worden sind. Für freiliegende Nahtüberstände finde ich diese Schere indiskutabel.
Der Schnitt für die Schlafanzugjacke muss also geändert werden. Hals-, Achsel-, Schulter- und Ärmelweite vergrößert und die Nähtevielfalt verkleinert und vereinfacht.
Meine erste Idee war, auf Schulternähte, die Mittelnaht des Besatzes und Ärmelnähte zu verzichten, nämlich Vorderteile und Rückenteil an den Schulterlinien zusammenzukleben, ebenso die Ärmel und Armkugeln sowie die Besatzhälften, und alles en bloc zuzuschneiden (Bild 4). Geht nicht, Fadenlauf stimmt nicht mehr!
Die zweite Idee war, die Schulterpartien zu waagerechten Linien zu machen. Fadenlauf stimmt wieder (Bild 5). Geht trotzdem nicht, die Vorderteile kommen zu kurz! Sie sind nämlich breiter als ein halbes Rückenteil.
Ich war schon halb entschlossen, es trotzdem so zu versuchen und den Vorderteilen als Ersatz breitere Besätze zu verpassen, als meine Freundin am Telefon die Idee hatte, das Rückenteil breiter zu machen, z.B. mit einer Keller- oder Quetschfalte, sodass man genug Breite auch für die Vorderteile hat. So werde ich es wohl probieren. Die Lösung gefällt mir. Sie gefällt mir auch wegen der Mehrweite im Schulter-/Ärmelbereich. Versuchen möchte ich es mit einer leichten Kräuselung des Rückenteils über seine ganze Breite. Mal sehen, was daraus wird.
emmi