Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

rubberduck
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Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von rubberduck »

Hallo,


seit einigen Jahren habe ich eine Singer 51W44, um die ich mich nie gekümmert habe, da ich sie nicht brauchte.
Ich habe drei Schustermaschinen (Singer 29K33, Singer 29K8, Adler 30-1), zwei schwere Sattlermaschinen (Singer 45K25 und Dürkopp 62) und dann auch noch zwei Pfaff 24 für feinere Lederarbeiten und dazu als Ergänzung auch noch eine Adler 299-2.
Da setzt man sich einfach an die nächste Maschine, wenn man mit einer anderen Fadenfarbe nähen will. biggrin biggrin biggrin

Tatsächlich hatte ich sie vor ca. anderthalb Jahren an einen "Suchenden einer Säulennähmaschine" veräußert, wenn dieser nicht einen anderen Hersteller bevorzugt hätte.
Hier der Link dazu:
viewtopic.php?p=2107&hilit=51w44#p2107

Aber jetzt bin ich glücklich darüber.

Aber was kann eine Säulennähmaschine, was der oben genannte "Maschinenpark" nicht kann oder nur unter erschwerten Bedingungen.

Ich trage gerne Baseball-Mützen, aber sie sollen keine Aufschriften haben und von guter Qualität sein und erschwinglich. Da ist das Angebot schon recht klein, was meinem Geschmack entspricht, aber sowas in Leder zu finden ist quasi unmöglich. Also habe ich mir gedacht, mir sowas selber zu nähen, da ich ja einen großen "Maschinenpark" für´s Ledernähen habe.
Vor der ersten Naht steht natürlich richtig viel Arbeit: Vom Erstellen der Schnittmuster anhand vorhandener Mützen - natürlich immer wieder mit Änderung, erforderliches Material bis hin zum Begreifen der Arbeitsabläufe für dessen Fertigung.
Aber ich will nicht weiter Abschweifen.
Ich hatte dann den ersten Prototyp der oberen "Kappe" fertig und es passte recht gut von der Form.
IMG_1710.JPG
Und dann galt es die Ziernähte zu nähen: Die Sattlernähmaschinen kamen dafür schon aufgrund der sehr dicken Nadel nicht in Frage, aber es bot sich dafür die Paff 24 an. Aber wegen der halbrunden Form der Mütze habe ich auch nicht diese genommen. Ich habe dann die Singer 29K8 genommen, den Nähfuß quer gestellt und das hat funktioniert. Aber: Mit einer "Schusterflickmaschine" lange gerade Nähte tu tätigen ist eine Herausforderung und dann noch immer den gleichen Abstand zu der schon getätigten Naht zu halten ist "sauschwer", insbesondere weil der Nähfuß quer steht und man die markierte Linie nur erahnt.
Für präzises Nähen ist es am Besten die Nähnadel zu sehen - also keinen Nähfuß sondern ein Rädchen: aber sowas gibt es nicht bei "Schusterflickmaschinen".

Irgendwie enttäuschend einen ausreichend großen "Nähmaschinen-Fuhrpark" zu haben, aber keine der Maschinen ist für ein gutes Ergebnis geeignet!


Und dann kam mir meine Singer-Säulenmaschine ins Bewußtsein: Die müßte perfekt dafür sein!

Also hab ich sie mir angeschaut und sie drehte ein wenig unwillig von Hand. Dann habe ich an die provisorisch vorhandene Halterung erstmal provisorisch einen einfachen Nähmaschinenmotor angebaut.
IMG_1724.JPG

Mit langsam laufendem Motor habe ich prophylaktisch alles sich Drehende mit Rostlöser versehen und dabei auch die Maschine gekippt und geschwenkt, damit der Rostlöser auch alles erreicht. Danach das Gleiche mit Balistol Waffenöl - heute Bilstol Universal (ein sehr anhaftender Geruch bei Berührung, aber ich find´s nicht schlimm) und anschließend "Ölen"!

Danach drehte sie schon wesentlich williger. Der untere Faden schaute noch raus und ließ sich auch mit leichtem Widerstand ziehen, so habe ich dann "Eingefädelt". Leider war die eingebaute Nadel abgebrochen, so daß damit dessen Länge nicht bekannt war. Aber es war eine Nadel, die im oberen Bereich dessen Befestigung keine "Abflachung" hatte - somit bezüglich ihrer axialen Befestigung ausgerichtet werden muß (Längsrille der Nadel gegenüber Greifer). Ich habe dann irgendeine "normale Nadel" moderneren Maschinen genommen und durch langsames Drehen der Nähmaschine geprüft ob sie "mechanisch gesehen frei läuft".
Die ersten "Nahtbildungen" durch "von Hand drehen" waren erfolgversprechend, wo ich dann den "Handbetrieb" auf "Elektromotor" umgestellt habe. Bißchen Einstellungen waren dann noch nötig, bis folgendes "Nähvideo" entstehen konnt




Hier erstmal paar grundlegende Bilder:
IMG_1717.JPG
IMG_1718.JPG
IMG_1719.JPG
IMG_1720.JPG

Recherchiert habe ich dessen Baujahr, aber laut Seriennummer vor 1940; ab wann wurde nicht angeben.



Aber auch mir stellen sich einige Fragen zu der Maschine:


Im oberen mittleren Teil ist eine Platte, die nicht wirklich original aussieht
IMG_1723.JPG

Auch fand sich nichts, wie und wo der Faden für die Spule des Unteradens aufgewickelt wird. Hierbei denke ich schon, daß dieser der Halterung für einen "E-Antrieb" weichen mußte und einfach "WECH" ist.

Auch ist mit rotem Pfeil im folgendem Bild ein Bauteil gekennzeichnet, was ich nicht zuordnen kann
IMG_1721a.jpg


Was aber nicht "Abhanden kommen kann" ist ein Stichweiteneinstellung: Entweder ich bin zu blöd sie finden oder es gibt keine!?



Natürlich habe ich mir auch das Untere des Oberen angeschaut!
IMG_1726.JPG
Mit solchem ausgefransten "Riesenloch" in der Stichplatte kann´s auch nichts werden, ab dem ersten Stich irgendwas wie Naht zu erzielen und danach gilt das "Prinzip Hoffnung".


Die dort verbaute Spule mit dessen Spulenkapsel sind mir nicht bekannt. Eventuell "gehen" auch andere Spulen.
IMG_1727.JPG



Fazit: "Blutige Hände" beim Anfertigen der Stichplatte oder "3,2,1" mit Glück



Grüsse.
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Delilah-Rose
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Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von Delilah-Rose »

Das sieht nach einer Mammutaufgabe aus, ich hege aber keine Zweifel, du bekommst das hin und deine Baseball Cap sieht wirklich super aus!
kemot1975
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Registriert: Fr 1. Mär 2024, 18:55

Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von kemot1975 »

Die Singer 51W … sehen für mich designtechnisch top aus. Ich überlege noch, ob ich meine 51W28 aus Platzgründen verkaufen oder behalten soll.
Bei meiner Maschine befindet sich die Stichweiteneinstellung unter dem Handrad.

Die Stichlänge bei der 51W44 wird über die Rändelschraube am Handrad eingestellt.
Im Nabenbereich des Schwungrads befindet sich eine Kerbe; die in dieser Kerbe erscheinende Zahl gibt die Anzahl der Stiche pro Zoll an, auf die die Maschine eingestellt ist.
Um die Stichlänge zu vergrößern, dreh die Rändelschraube zu dir hin und die zu verkleinern, dreh die Rändelschraube von dir weg.
Screenshot 2026-01-14 084401.jpg
Probier es einfach mal aus...

51W28
download/file.php?id=19491&mode=view
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Pfaff:34,60,114,115,138,141,142,145,175,191,192,193,195,230,238,260,335,345,362,422,433,545,546,1245
Minerva:331,335,01118,01258,72520,72524,72525
Adler:4,67,69,167,168,267,1217
Singer:24,29,34,51,178,221,316,320,457
rubberduck
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Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von rubberduck »

Hallo kemot1975,


Danke für Info - insbesondere was die Zahlen bedeuten!

Bei dem weiteren Bauteil habe ich selber dessen Funktion gefunden: Ein Nähhilfsmittel um beispielsweise parallele Nähte zu nähen. Mit der oberen rechten Rändelschraube kann man die untere kleine Rolle stufenlos nach links und rechts verschieben - auch kann man diese in der Höhe verstellen. Und benötigt man dies nicht, kann man es einfach nach hinten klappen.
IMG_1733.JPG
Tolle Sachen, die es schon damals gab!

Ich bin gerade am überlegen, warum ich diese Nähmaschine so unbeachtet ließ und sogar mal hätte verkaufen wollen?!


"Wieauchimmer" - das "Kummerkind" ist die Stichplatte. Man kann zwar damit Nähen, aber die Stichqualität beim Beginn der Naht ist nicht wirklich toll und ich wüßte momentan noch nicht, wie man sie mit "hier und da am Faden ziehen" verbessern könnte.
Gesucht habe im "Netz" - selbst die "China-Seiten": Es gibt nichts!!!
Um die originale Stichplatte zu erhalten, war meine erste Option dessen Nachbau: "Sind ja nur drei Löcher und ein Schlitz".
Aber die Stichplatte ist nicht nur eine Stichplatte sondern dient auch der axialen Arretierung der Spulenkapsel - siehe mit rotem Pfeil gekennzeichnet Aussparung bei 90 Grad Drehung der Stichplatte nach links:
IMG_1738a.jpg
Nächste Option: Das Loch zuschweißen bzw hartlöten und dann das Loch neu bohren. Eine bestimmt dauerhafte Lösung. Da ich aber das Material der Stichplatte nicht kenne und es bei sowas immer ein Restrisiko gibt alles schlimmer zu machen, habe ich davon abgesehen.

Als nächstes ein gut funktionierendes Provisorium zu schaffen, um einen "Rohling" zu haben, der aber auch schon beweisen muß damit Nähen zu können. Und das alles so, daß im Zweifelsfall das "Original" erhalten bleibt: Also besser schlechte Stichqualität als garnicht Nähen können. Es galt, das ausgefranste Loch mittels "Flüssigmetall" zu verschließen. Da dieses keine dauerhafte Lösung sein soll, habe ich nur alles Entfettet und auf jegliches Aufrauhen der Flächen verzichtet und nicht mein favorisiertes Flüssigmetell verwendet, sondern einen anderes "Flüssigmetall", was bezüglich des "Festwerdens" wesentlich länger braucht um dann nach Einbau der Stichplatte und einer neuen Nadel und noch weichem Flüssigmetell genau den Mittelpunkt der zu tätigenden Bohrung in die Stichplatte zu markieren.
IMG_1731.JPG
Eigentlich sollte das verwendete Flüssigmetall mittlerweile bearbeitbar sein, aber dem ist nicht so!


Also "Warten und Tee trinken"!?


Grüsse.



P.S.: Am Wochenende freu ich mich schon auf bißchen Treckerfahren und es sollte schon alles an Material vorhanden sein, um für die Pfaff 24 einen Anschiebetisch zu bauen.
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kemot1975
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Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von kemot1975 »

das Loch zuschweißen und aufbohren und auspolieren wäre noch eine Option.
Pfaff:34,60,114,115,138,141,142,145,175,191,192,193,195,230,238,260,335,345,362,422,433,545,546,1245
Minerva:331,335,01118,01258,72520,72524,72525
Adler:4,67,69,167,168,267,1217
Singer:24,29,34,51,178,221,316,320,457
rubberduck
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Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von rubberduck »

Diese Option hatte ich auch schon genannt, aber verworfen.
rubberduck
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Registriert: Do 27. Jun 2024, 15:28

Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von rubberduck »

So,



mittlerweile ist das Flüssigmetall schon lange ausgehärtet und ich habe alles verschliffen und die erforderliche Bohrung getätigt. Dabei galt das Motto: "So groß wie nötig - aber so klein als möglich!"
Ich habe mich also an den Bohrungsdurchmesser herangetastet. Begonnen habe ich mit dem "recht dünnen Faden", welcher eingefädelt war.
Für das Bohren habe ich ein "Mini-Bohrer-Set" genutzt, wo die Durchmesserabstufungen bei 0,1mm liegen, welches ich mir mal angeschafft hatte, um die Düsendurchmesser in den "40er Webern" meiner Doppelvergaseranlage meines getunten Käfers anzupassen - aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Hier ein Link zu ähnlichem Set:
https://www.ebay.de/itm/312644159612?ch ... a4QAvD_BwE


Zwar weiß ich, daß es "Offtopic" ist, aber die Bilder meines vollständig restaurierten Käfer aus 1969 sollen zeigen, daß Nähmaschinen nicht nur mein einziges Hobby technischer Natur ist (die Ermittlung der Leistung erfolgte im dritten von vier Gängen)
1041a.jpg
DSCN3114.JPG
DSCN2730.JPG
Leistungsdiagramm Käfer weiß.JPG

Jetzt wieder zurück zum Bohrungsdurchmesser. Für den dünnen Faden reicht ein Durchmesser von 1,6mm aus. Ich habe dann aber auch einen Dickeren genommen, wovon ich ausgehe, daß dieses der dickste sein wird, den ich jemals verwenden werde, wofür dann ein Durchmesser von 2,6mm nötig war.
IMG_1740.JPG
Dazu auch ein kleines Video, wo man sieht, daß die Naht auch gut ist:

https://youtube.com/shorts/e3rM41aifJ0


Bei dem ganzen vielen Testen ist immer wieder der Faden aus der linken oberen Umlenkung geflutscht. Und wenn dann noch mehr Faden von der Rolle abrollt als nötig, hat sich dieser lange freihängende Faden immer mal wieder irgendwo rumgewickelt, daß den Faden blockierte und dieser dann riß.

Mehr aus Verzweiflung und Frust habe ich dann den Faden zweimal um die Umlenkung gewickelt. Wider meiner Erwartung erzeugte es keine zu hohe Fadenspannung, was zum Reißen des Fadens führt und der Faden blieb in seiner Umlenkung.
Dieses exemplarisch durch den roten Faden im folgendem Bild dargestellt:
IMG_1743.JPG

Danach habe ich wieder "den dünnen Faden" eingefädelt. Hierbei ergab sich gleiches Problem des Nähens - zwar nicht so ausgeprägt - wie bei der verschlissenen Bohrung der Stichplatte.


Fazit: Will man mit unterschiedlichen Fadendicken gut nähen, braucht man Stichplatten mit unterschiedlichem Durchmesser, da wo Nadel mit Faden nach "unten gehen"!


Überlegen werde ich jetzt müssen, mit welchen Fadendicken ich jetzt mit dieser Nähmaschine nähen will! Oder besser: Überlegen, ob ich mir wirklich die Option offen halten muß/möchte mit einem dicken Faden nähen zu können!?


Positiv an Allem: Ich habe wieder richtig dazugelernt! Insbesondere, daß ein Durchmesser einer Bohrung solchen Einfluß auf die Naht haben kann.



Grüsse.



P.S.: Bei den Durchmessern der Bohrungen von Düsen in Vergasern habe ich solche Erfahrung schon vor Jahren gemacht! biggrin biggrin
Neben dadurch und natürlich auch Anderem mit zwar nur fast 100PS im Käfer zu fahren und dann die Tachonadel auf die andere Seite des Anschlags zu bringen, wo sie im Stand ist, ist schon richtig g... !
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Delilah-Rose
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Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von Delilah-Rose »

Oh ist das schön, der Käfer sieht so genial aus, ich liebe Käfer heart
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Ärmel
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Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von Ärmel »

Die Tiefbett-Felgen machen was her... biggrin 1f44d
Es ist nicht gut, wenn der Mensch alleine ist, mindestens eine Nähmaschine sollte er haben...
rubberduck
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Re: Säulennähmaschine Singer 51W44 wird doch gebraucht

Beitrag von rubberduck »

Hallo,


insbesondere hatte untenrum der "Rostteufel" zugeschlagen, was unendlich viel Zeit dessen Instandsetzung bedurfte. Hier zwei exemplarische Bilder - vorher/nachher:
DSCN0019.JPG
DSCN0246.JPG

Aber der Innenraum war und ist immer noch original - also so wie er mal 1969 "vom Band lief"!
DSCN0048.JPG
DSCN2799.JPG
Und er riecht auch innen wie ein Käfer riecht!

Ich könnte jetzt noch unendlich weiter erzählen und Bilder zeigen.

Aber es soll genug des "Offtopics" sein, da wir uns ja in einem Forum für Nähmaschnen befinden. biggrin biggrin biggrin


Grüsse.
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