Seite 1 von 1

Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer Beschreibung

Verfasst: Sa 6. Jan 2024, 23:51
von inch
Vieles schwirrt mir durch den Kopf, wenn ich an den Besuch der Wäschefabrik Bielefeld zurückdenke:
Die Atmosphäre beim Betreten der ehemaligen Wäschefabrik ist absolut einmalig.
Ich denke an "Lost Places" und bin mir im selben Moment sehr unklar darüber, wer hier eigentlich verloren ist ;)
- dieser in seiner Zeit steckengebliebene Raum, oder wir, die ihn in unserer Jetzt-Zeit betreten?
Ich habe mich schon immer gern im "Gestern" aufgehalten, beim Restaurieren alter Dinge, oder bei Museums-Besuchen, aber hier ist der Eindruck so intensiv,
das ich sogar das Gefühl habe, die Zeit zu riechen,
in der es dort arbeits- und betriebsam zu sich ging - den Lärm zu erahnen, wenn alle Nähmaschinen in Betrieb waren.
Als ich vor dem Pergamon-Altar in Berlin stand, dachte ich so: wow, sehr beeindruckend - in der Wäschefabrik jedoch konnte ich sie spüren, diese vibes.
Der Maschinensaal mit den aneinandergereihten und durch Kraftantrieb verbundenen Tischen nebst der "Dürkopp`s" und "Adler" ist überwältigend,
dennoch, es ist nicht dieses, oder jenes Exponat,
es ist die Gesamtheit der Räume in ihrem scheinbaren Schneewittchen-Schlaf der ehemaligen Wäschefabrik, welche diese Faszination, dieses Pulsieren auslöst.
Spannend war es, während der sehr detaillierten Führung zu erfahren, wie die Arbeit in dieser Fabrik organisiert war.
Das Näherinnen und Stickerinnen von der Pike auf 3 - 4 Jahre lernen mussten, in ihren Probe- und Lehrzeiten auch ihre handwerklichen und kreativen Begabungen getestet wurden,
damit sie zum Schluß ein bestelltes Kleidungsstück komplett von Anfang bis Ende fertig nähen konnten.
Ich glaube schon, das es trotz aller Plackerei und eher bescheidener Bezahlung jedesmal für die Näherinnen etwas Besonderes war,
wenn sie das bestellte Kleidungsstück komplett in Eigenregie fertig gestellt hatten.
Sehr lehrreich für mich als Kind der Konfektionsindustrie war es, wie man sich eigentlich damals ein Kleidungsstück bestellte: Nämlich bei den Vertretern, welche über Land reisten und sich um die Aquise kümmerten und Maß nahmen, um die Aufträge dann in die kleine Fabrik zu geben.
So war alles perfekt miteinander verzahnt und trotz aller nötigen Hierarchie wurde "das Soziale" gegenüber der Belegschaft gelebt, wenn es nötig war.

Ich bin sehr dankbar dafür, das die Wäschefabrik mit ihrem Flair erhalten blieb und der "Projekt Museum Wäschefabrik e. V." dieses Kleinod zuverlässig museal weiterbetreibt, wie auch regelmäßig Workshops anbietet.

Hier https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_W%C3%A4schefabrik kann man mehr über die Geschichte der Wäschefabrik lesen, leider auch über das Unheil,
welches den jüdischen Erstbesitzern durch den Nationalsozialismus widerfuhr.

Die Genehmigung zur Veröffentlichung der folgenden Fotos wurde auf Anfrage am 03. Januar 2024 erteilt.
Die hier gezeigten Fotos wurden von mir bei einem Besuch des Museums 2018 gemacht.
Die Rechte der Veröffentlichung liegen weiterhin beim Museum - d.h. für evtl. weitere Verwendungen der Fotos muss Rücksprache mit dem Museum gehalten werden!

Hier geht es zum Museum in Bielefeld:

Museum Wäschefabrik
Viktoriastr. 48A
33602 Bielefeld

https://www.museum-waeschefabrik.de
E-Mail: info@museum-waeschefabrik.de
IMG_0782.JPG
IMG_0787.JPG
IMG_0790.JPG

Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer Beschreibung II

Verfasst: So 7. Jan 2024, 00:46
von inch
IMG_0796.JPG
IMG_0797.JPG
IMG_0798.JPG
IMG_0799.JPG
IMG_0807.JPG
IMG_0806.JPG
IMG_0808.JPG
IMG_0815.JPG

Re: Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer BeschreibungIII

Verfasst: So 7. Jan 2024, 01:31
von inch
IMG_0816.JPG
IMG_0823.JPG
IMG_0828.JPG
IMG_0803.JPG
IMG_0805.JPG
IMG_0843.JPG
IMG_0852.JPG

Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer BeschreibungIV

Verfasst: So 7. Jan 2024, 01:39
von inch
IMG_0820.JPG
IMG_0822.JPG
IMG_0856.JPG
IMG_0857.JPG
IMG_0858.JPG

Re: Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer Beschreibung

Verfasst: Di 15. Sep 2026, 22:48
von Jonas2404
Ich habe am Tag des offenen Denkmals in Bielefeld (13.09.2026) das Museum Wäschefabrik besucht und kann einen Ausflug dorthin nur empfehlen.

Man hat dort das Gefühl, die Näherinnen kommen jeden Moment wieder zurück an ihre Arbeitsplätze. Bei genauem Hinsehen, erkennt man auch den schleichenden Prozess bis zur endgültigen Schließung. Die großen Zuschneidetische wurden durch die rückläufigen Aufträge nicht mehr benötigt und waren nur noch Ablagefläche für Schnittmuster.

Ein glücklicher Umstand ist, das in dieser Firma nichts entsorgt wurde. Das Museum wurde 1998 zur Kulisse der Verfilmung "Sturmzeit" nach einem Roman von Charlotte Link. Dafür wurde es in den Zustand der 20er Jahre zurückversetzt. Auf dem Dachboden waren noch die originalen Lampen aus dieser Zeit verwahrt und konnten für die Filmaufnahmen wieder im Nähsaal angebracht werden. Die kurze Filmsequenz findet man im 2.Teil der fünfteiligen Fernsehserie.



Ein Job im Nähsaal Video (1min30sek) -hier anklicken

Re: Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer Beschreibung

Verfasst: Mi 16. Sep 2026, 10:26
von Makatea
Ja, die Wäschefabrik ist super.
Interessantes Detail: Bis auf ein oder zwei Maschinen ist der komplette Fuhrpark aus Bielefeld:
Adler, Dürkopp, Baer&Rempel (auch vor Phoenix) etc.

Wenn man etwas vorplanen kann, es gibt bei Dürkopp-Adler in Bielefeld noch ein kleines Werksmuseum auf dem Firmengelände.

Man sollte sich vorher anmelden, ich habe damals Glück gehabt, der sehr sympathische Kurator war gerade vor Ort und hat mich an der Pforte abgeholt.

Ist eher klein und über das gesamte Spektrum, also auch Fahrräder, Motorräder, Autos und draußen steht auch noch ein Dürkopp-LKW...

Re: Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer Beschreibung

Verfasst: Mi 16. Sep 2026, 12:12
von Jonas2404
danke schön für den Hinweis,
vielleicht kann man das für den nächsten Bielefeld Besuch organisieren

Re: Museum Wäschefabrik Bielefeld - Versuch einer Beschreibung

Verfasst: Mi 16. Sep 2026, 17:32
von Asher
die Dürkopp 93 sieht interessant aus.
Es gibt eine ähnlich sehende Singer, die ist aber meines Wissens für einen anderen Zweck