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Verifizierte Singer Seriennummern aus Wittenberge bis 1945 zur Baujahrbestimmung

Verfasst: Sa 6. Jan 2024, 00:25
von inch
Diesen Thread kann man hier in aller Länge nachlesen, ich startete ihn am 17. Dezember 2018:
https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... 036#p59036

So begann es:
"Angeregt durch Helmuts Bemühungen, die Bestimmung des Baujahres der Wittenberger Singer Nähmaschinen zu präzisieren, fing ich an,mich mit diesem Thema zu beschäftigen und fand zu meinem Erstaunen erhebliche Abweichungen zu den vom V.K.e.K. publizierten Daten.
Ich bitte euch, verifizierbare Maschinen hier einzustellen, um Helmuts Liste weiter zu vervollständigen.
Ich fange mal mit einer Singer 15D90 an (anfallender Staub auf den Fotos ist der Baustelle geschuldet wink )
Die hier gezeigte Maschine hat laut V.K.e.K. das Baujahr 1924, wurde aber erst 1933 im Werk eingenäht.
Interessant ist auch die Plakette Singer Corp. Statt Singer Wittenberge trotz C-Nr.
Die Nr. auf dem Einnäh-Nachweis ist nicht identisch mit der Maschinennr, warum auch immer. Das spielt aber keine Rolle, weil beide Nummern für 1924 gelistet sind,
aber erst 1933 produziert wurden.
Die Druck-Daten 1.32 weisen die Singer-Gütekontrolle als im Januar 1932 gedruckt aus."
20181215_190022.jpg
20181215_185538.jpg
20181215_185136.jpg
20181215_185130.jpg
Das Thema erwies sich als echter Dauerbrenner und dank der Mithilfe einiger Mitglieder im https://www.naehmaschinentechnik-forum.de konnten wir bisher eine relativ gut gefüllte Liste mit den Seriennummern erstellen.
Alle Foto-Nachweise sind in diesem sehr langen Thread https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... 036#p59036 gelistet. Ich möchte diese Liste hier weiter fortführen,alle Hinweise mit nachweisbarer Dokumentation (also Wittenberge-Nähmaschinen mit C-Seriennummer zuzüglich passender Kaufverträge, oder Güte-Kontroll-Marken) sind willkommen.
Größere Lücken bestehen noch für produzierte Nähmaschinen der ersten Jahre nach Produkionsbeginn in Wittenberge, sowie ab den 30er Jahren bis hin zum April 1945.
Die letzte aktualisierte Liste ist diese:
V. 1.5.7 Stand 2023-05-07.ods

Re: Verifizierte Singer Seriennummern aus Wittenberge bis 1945 zur Baujahrbestimmung

Verfasst: Di 21. Jan 2025, 14:46
von inch
Hier ein kleines Update, um Verwechslungen der Datei zwischen beiden Foren vorzubeugen, weist "NMF" auf unser Forum hin.
Ergänzt habe ich die Datei mit einer seltenen 201 D 2, welche am 25.07. 1939 gekauft wurde.
"Die anderslautende Quelle" behauptet als Produktionsdatum dieser Seriennummer 1930.
Singer 201 D 2 1939.pdf
Die Nähmaschine werde ich natürlich ausgiebig vorstellen, sofern noch fehlende Elektrik- und Furnierarbeiten erledigt sind.
V. 1.5.7 NMF Stand 2025-01-21.ods

Re: Verifizierte Singer Seriennummern aus Wittenberge bis 1945 zur Baujahrbestimmung

Verfasst: Mo 9. Mär 2026, 17:18
von sct_0
Das ging jetzt schneller als erwartet: Ich habe eine sowjetische Maschine mit einer SN C4111411 entdeckt, die laut Verkäufer vom Werk aus Podolsk kommt und laut Verkäuferbeschreibung 1957 gekauft wurde. Der Thread geht ja eigentlich nur um Wittenberger Maschinen bis 1945, dass Maschinen aus Podolsk mit C-Nummern so lange nach Kriegsende noch verkauft wurden kam mir aber relevant genug vor.
Die Maschine wirkt baugleich mit einer Singer 201. In wieweit die Maschine oder Teile davon noch in Wittenberge oder später in Podolsk gefertigt wurden ist natürlich nicht ganz klar, aber man kann auf Bild 8 im Angebot "ГОСТ 4114-48" an der Unterseite des Nähmaschinenkörpers lesen, dieser stammt also sicher nicht mehr aus Wittenberge.

Kontext: Ich habe einen alten Befund der CIA gefunden, zu einer in Thailand gekauften, sowjetischen Maschine der Klasse 1-A, die nach deren Erachten baugleich mit einer Singer 15 ist und mit wittenbergischen Werkzeugen nach dem Krieg gebaut wurde (seltsam kommt mir vor, dass sowohl die sowjetische 201 als auch die 15 unter "Klasse 1-A" laufen).
Motiviert durch dieses Dokument habe ich mich spontan auf die Suche begeben und einige Maschinen von Anfang 1900 bis in die 20er gefunden, die sowjetisches Dekor haben, und baugleich mit Singer-Maschinen aussehen. Bei den Seriennummern kamen vorallem E- und P-Präfixe vor. Spätere Maschinen wie die von oben tauchen nicht so häufig auf, ich glaube ich habe noch eine weitere Maschine mit C-Nummer gesehen, aber ohne Datum. Sehr viele Maschinen hatten auch garkeine Seriennummer, in dem Sinne, dass da nichtmal ein Platz für die entsprechende Plakette war. Zudem findet man sehr, sehr viele Anleitungen zu Nähmaschinen mit Klasse 1-A, die Abbildungen darin wirken ebenfalls identisch zu denen von Singer Maschinen. Eindeutige Kaufbelege konnte ich noch nicht ausmachen.

Ich werde da aus eigenem Interesse weiter recherchieren, falls datierte sowjetischen Maschinen mit C-Nummern für den Thread interessant sind, poste ich gerne falls ich weitere finde.

Re: Verifizierte Singer Seriennummern aus Wittenberge bis 1945 zur Baujahrbestimmung

Verfasst: Di 10. Mär 2026, 09:41
von inch
Dein CIA-Fund biggrin ist wirklich bemerkenswert, den kannte ich auch noch nicht und er ist ein schöner weiterer Beweis für das ungehemmte Benutzen der Wittenberger Serienprägenummern-Maschine in Podolsk.
Bitte Dateien etc. möglichst uploaden, weil Links oftmals verschwinden und nicht mehr aufrufbar sind.
Deshalb hier gleich anbei die Pdf deines CIA-Links:
CIA_ Wittenberge_Podolsk_ C-Serials.pdf
In diesem Thread hier geht es darum, bis zu welcher Seriennummer Nähmaschinen in Wittenberge tatsächlich produziert wurden, um die historisch falsche Zählung zu zeigen und damit die Baujahre besser bestimmen zu können.
Die Maschinen, welche nach dem Abbau des Wittenberger Singer-Werkes wegen erfolgter Reparationen durch die Sowjets anschließend in Podolsk produziert wurden, interessieren uns deshalb hier nicht.
Allerdings könnte ich mir gut vorstellen, deine Erkenntnisse in einem neuen Thread lesen zu können.
Interessant wäre, den Schnittpunkt beider "Zeitstrahlen" zu bestimmen, des Wittenberger Zeitstrahls "Ende der Produktion" und den Anfang des PodolskerZeitstrahls "Anfang der Produktion".
Das ist allerdings reine Theorie, weil auch eine unbekannte Menge vorgefertigter und endgefertigter Maschinen ihren Weg in den Osten antraten, deshalb kann man das auch mit "Reverse Engineering" nicht wirklich bestimmen.