Hier für uns Knaben die Transscription:
(Einband)
INDUSTRIE UND GEWERBE
338./339. BAND
Der Schnetder
Von R. Förster und M. Krauße
IN POESIE UND PROSA
(Deckblatt)
Der Schneider
in Poesie und Prosa
Proben deutscher Literatur, welche Berührungspunkte mit
dem Bekleidungsgewerbe haben, nebst biographischen und
sachlichen Anmerkungen
Zum Gebrauch im Deutschunterricht und zur Belebung des Sachunterrichtes
an gewerblichen Berufsschulen für Knaben
bearbeitet von
R. Förster und M. Rrauße
Gewerbeschuldirektor Gewerbeoberlehrer
in Falkenstein i. D. in Chemnitz
Langensalza
Verlag von Julius Beltz
Berlin - Leipzig
(Ende Vorwort)
.....
schen gewesen sind. Es wird auch der Jugend nützen, unter
Handwerkern nicht bloß Männer technischen Könnens, sondern
auch edle Menschen mit reifer Lebensweisheit und uner-
schütterlich aufrechter Lebensauffassung kennen zu lernen.
So konnten sich Handwerk und Leben gegenseitig veredeln
im Sinne ethischer Arbeitserfassung.
Aus der Sammlung „Industrie und Gewerbe in Poesie
und Prosa“ sind bis jetzt erschienen:
Band 1. Das Metallgewerbe in Poesie und Prosa.
Band 2. Das Holzgewerbe in Poesie und Prosa.
Band 3. Das Baugewerbe in Poesie und Prosa.
Band 4. Der Schuhmacher in Poesie und Prosa.
Band 5. Der Schneider in Poesie und Prosa.
Weitere Bändchen werden das Textilgewerbe und das
Nahrungsmittelgewerbe behandeln.
Falkenstein i. V. und Chemnitz, Ostern 1932.
Die Verfasser.
(100)
VI.
Kleidung und Schneidergewerbe in Sprichwort
und Redensart
Kleider und Shuhe gehören zu den ältesten Bedürfnissen
der Menschheit, um sich gegen Wind und Wetter zu schützen.
Das Wort „Kleid“ ist seit vem 12, Jahrhundert in den deut-
schen Wortschatz aufgenommen worden. ES ist verwandt mit
dem angelsächsischen clap, englisch cloth. Wie das Englische
zeigt, war die Grundbedeutung „Zeug“. Später ist „Zeug“
zur Bezeichnung des daraus gefertigten Kleidungsstückes ge-
worden, zunächst noh allgemein, wie sich aus „Kleiderschrank“
ergibt. In Norddeutschland verwendet man das Wort „Kleid“
meist für das Oberkleid der Frau, in Süddeutschland auch
für den Rock des Mannes. Die allgemeinere Bedeutung des
Wortes ist noch deutlich erkennbar aus dem Verb „kleiden“.
Im übertragenen Sinne spricht man auch vom Bart, von der
Miene, vom Auftreten, daß es jemand „kleidet“. Wer ein
Amt bekleidet, stellt gewissermaßen durch seine Person das
„Kleid“ eines Amtes dar. Luther bezeichnet „Kleider und
Schuh“ als Notdurft des Lebens, die ebenso wichtig sind wie
Essen und Trinken.
„Den Mantel nach dem Winde hängen“ bedeutet ur=
sprünglich im lobenden Sinne, sich nah den Umständen
richten wie ein Wanderer, der auf der Landstraße dahin-
schreitet und den Mantel bei stürmischem Wetter immer nach
der Seite zu hängen, woher der Wind kommt. Die Redens-
art „den Mantel auf beiden Schultern tragen“ bedeutet
ebenso, sich auf alle Möglichkeiten einstellen. Erst später hat
das Hängen des Mantels nach dem Winde die unangenehme
Nebenbedeutung bekommen, charatkterlos zum jedesmaligen
Vorteile die Stellungnahme zu neu entgegentretenden Tat»
sachen zu ändern. Im übertragenen Sinne spricht man
vom Mantel der christlichen Liebe, mit dem man Schwächen be-
decken soll. Die Finsternis der Nacht wird mit einem Mantel
verglichen, der die Müden deckt. Als Sinnbild des Schutzes
galt der Mantel, wie aus der Wartburgsage zu erkennen
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ist, wo Heinrich von Ofterdingen unter den Mantel der
Landgräfin flüchtet. Im altdeutschen Rechtsleben hat der
Mantel eine bedeutende Rolle gespielt. Vor der Ehe ge-
borene Kinder wurden dadurch legitimiert, daß die Frau sie
bei der Trauung unter ihren Mantel nahm. Solche Kinder
hießen sogar „Mantelkinder“. Der Sinn von „bemänteln"
weist auf „beschönigen“ hin.
K r a g e n bedeutet ursprünglich Hals, erst später das Hals-
stück am Kleide. Diese Zusammengehörigkeit ergibt sich auch
aus der Redensart „Kopf und Kragen gransetzen" oder
„es geht um Kopf und Kragen". Geizige Menschen werden
„Geizkragen“ oder „Geizhälse“ genannt. Trinker jagen ihr
Vermögen durch den Kragen.
Die W e s t e, aus dem französischen „veste", dem das
Lateinische „vestis“ zugrunde liegt, scheint ein neues Klei-
dungsstück zu sein. Im politischen Leben spricht man von der
sauberen Weste, die einer haben muß, wenn er sich nicht poli-
schen Angriffen aussetzen will.
Die H o s e war ursprünglich noch im Altgermanischen eine
Bekleidung der Schenkel nach Art eines weit heraufgehenden
Strumpfes. Erst später hat sich das Kleidungsstück herausge-
bildet, das Oberschenkel und Unterleib bedeckt. In zahlreichen
Redewendungen wird die Hose erwähnt. Wenn die Frau die
Hosen an hat, führt sie die Herrschaft im Hause. Dem Mut-
losen fällt das Herz in die Hosen. Der Freigebige hat die
„Spendierhosen“ an. Hose wird übertragen auf manche in
der gestalt vergleichbare Gegenstände. Windhose oder
Wasserhose bezeichnen trichter= oder hosenförmige Bewegung
des Windes oder des Wassers.
Der S t r u m p f bezeichnet ursprünglich den untersten Teil
der Hose, dann eine selbständige Fußbekleidung. Kürzere
Strümpfe heißen Socken. „Sich auf die Strümpfe oder
Socken machen" hat den Sinn von „Fortgehen". „Blau-
strumpf" war früher der Schimpfname für den „Büttel".
Lange Zeit ist es der Spottname für ein gelehrtes, anmaßen-
des Frauenzimmer gewesen.
Die G a r m a s c h e n sind Überstrümpfe, die früher in der
Armee, z.B. in der preußischen Armee noch um 1800, ge-
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tragen wurden und wegen ihres unbequemen, steifen Sitzes
viel Unannehmlichkeiten zur Folge hatten. Der Ausdruck
„Gamaschendienst“ weißt auf engherzigen, schematischen Be-
trieb hin, wie er früher in manche Armeen üblich war. Die
französische Armee war 1870 angeblich kriegsbereit bis auf
den lezten Gamaschenfknopf.
Ein Kleidungsstück, das bei besonders festlichen Gelegen=
heiten getragen wird, ist der F r a c k, eigentlich ein „Wrack“,
das heißt ein Teil unseres üblihen Rockes, der nach Art
unseres Gehrockes den Leib vollständig bedeckte biS fast an die
Knie. Beim Frack ist der Teil, der zur Bekleidung des Leibes
dient, herausgeschnitten. „Sich einen Frack lachen“ ist wohl
scherzhaft der Ersatz für „sich ein Loch in den Bauch lachen“.
Die dem „Frack“ zugedachte Prügel kann sich auch auf die
Jacke oder den Rock beziehen. Gemeint ist ja doch in allen
Fällen der Rücken. Unter den Teilen der Kleidungsstücke
wird der „Ärmel“ besonders hervorgehoben. „Etwas aus den
Ärmeln schütteln“ bedeutet, etwas Scweres leicht und mühe»
los ausführen, z. B. eine Rede, eine Predigt. Diese Redens=
art knüpft an die mittelalterliche Mode an, weite Ärmel
zu tragen, in denen man wie in weiten Taschen allerlei ber-
gen konnte. Taschenspieler vermögen wirklich alles mögliche -
aus den Ärmeln zu schütteln.
Da die Herstellung von Kleidungsstücken zur ältesten hand-
werklihen Beschäftigung gehört, hat sih im Volksmund
manche alte Redensart erhalten. Schuster, Schneider, Hand-
schuhmacher gehören redensartlich zusammen. Schuhmacher
und Schneider gehören zu den lustigsten Handwerkern. Sie
haben bei ihrer gemächlichen Arbeit viel Zeit, über göttliche und
weltliche Dinge nachzudenken. „Schuster“ ist das vom Volks-
mund häufiger gebrauchte Wort im Gegensatz zum „Schuh-
macher“. Die schwarzen Schuhe, die der Schuhmacher herstellt,
werden des Schusters „Rappen“ genannt, auf denen man
eine Reise unternimmt. „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“
ruft man demjenigen zu, der seinen eigentlichen Beruf vergißt
und sich einem ihm weniger liegenden Gebiete der Betätigung
begibt. „Meister Pechdraht“ oder gar „Meister Pechhengst"
ist der Shuhmacher. Den „Schneider“ hat der Volksswitz be-
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sonders gern geneckt. Er muß sich manches Schimpfwort ge-
fallen lassen und manchen Vergleich mit dem Ziegenbock hin-
nehmen. Trotz größten Fleißes vermag es der Schneider nach
dem Volksmunde nicht zu Vermögen zu bringen. „Er kommt
nicht aus dem Schneider heraus“ bedeutet, daß jemand seine
ärmliche Lage nicht zu ändern imstande ist.
Und der Auszug als PDF-Datei:
Der Schneider in Poesie und Prosa.pdf