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Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Do 18. Jun 2026, 20:56
von rubberduck
Hallo,


habe eben gerade bei "Kleinanzeigen" eine Nähmaschine spontan gekauft!

https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/ ... 5-234-6883

Hier auch dessen eingestellte Bilder:
0001.jpg
0003.jpg
0002.jpg
0004.jpg

Ich habe keine Ahnung, was ich da gekauft habe: "Deko" oder doch was richtig Altes!!!???


Grüsse.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Do 18. Jun 2026, 21:02
von Jonas2404
Drücke die Daumen, das es eine richtig alte Nähmaschine ist und heil bei dir ankommt.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Fr 19. Jun 2026, 13:12
von inch
Nö..., kein Schrott. smile
Es sieht zuerst nach einem Vollbad in Petroleum aus, am besten schwarz eingepackt mit viel Sonne.
Den Riss vorne in der Grundplatte würde ich fürs Erste auch nicht so "ernst" nehmen, ich bin schon sehr gespannt, was auf der Fabrikmarke steht.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Fr 19. Jun 2026, 19:00
von ravemachine
Diese Saxonia wurde, mit dem reichhaltig verzierten Sockel, ab den 1880er Jahren produziert.

Vermutlich ist es eine Clemens Müller aus Dresden.

Um den Hersteller sicher zu ermitteln bin auch ich auf die Plakette angewiesen.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mo 22. Jun 2026, 18:52
von rubberduck
Hallo Paul,


ich hatte vieles erwartet, aber keine kyrillischen Buchstaben. xxx114
IMG_2315.JPG
Dann habe ich noch nach der Seriennummer gesucht. Mittels Rostlöser und Scheifpapier habe ich sie da gesucht, wo sie normal zu finden ist - vorm Stichlängeneinsteller.
IMG_2319.JPG
Zur Info: Die Schlitzschraube im Bild unterhalb der Seriennummer dient der Arretierung der Nähmaschine auf dem Sockel


Irgendwie ist alles ein wenig kleiner als bei einer "normal großen" "Langschiffchen Nähmaschine"

Hier zwei Bilder im direktem Vergleich:
IMG_2320.JPG
IMG_2321.JPG

Aber die Stichplatte scheint identisch zu sein und ich hoffe, daß der Rest darunter auch paßt!
IMG_2322.JPG
Dann kann ich die Teile meiner zerlegten unvollständigen Langschiffchen Nähmaschine, die ich in diesem Zustand beim Kauf meiner Seidel und Naumann dazubekam, als Ersatz nutzen, da der Rest nach keinem wirklich mehr rettbaren Zustand aussieht.
IMG_2317.JPG

Bißchen habe ich sie schon teilzerlegt und auch alles ordentlich mit Röstlöser geflutet.
IMG_2325.JPG


Grüsse.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mo 22. Jun 2026, 22:31
von rubberduck
Hallo,


selbst sollte sich diese Nähmaschine als "Schrott" bezüglich der Historie erweisen - also garantiert ein Klon/Nachbau jenseits von um 1880 sein - so werde ich trotzdem dieser Nähmaschine eine ordentliche Naht entlocken!
Und wirklich einfach wird es nicht werden biggrin biggrin biggrin


Grüsse.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mo 22. Jun 2026, 23:56
von inch
Ich finde deinen Fund sehr interessant, weil er Einblick in das damalige Handelsgeschäft und "Umlabeln" gibt.
Kyrillische Buchstaben...wahrscheinlich von einem deutschen Händler, eventuell aus dem Dresdner Raum.
Einige Stunden Google-Suche brachte zu Tage, das in Astrachan zu keiner Zeit eine Nähmaschinenfabrik existierte, weil dort damals entsprechende industrielle Voraussetzungen fehlten.
Astrachan war um 1900 ein extrem wichtiger Handels- und Fischereiknotenpunkt am Kaspischen Meer.
Im Sächsischen staatsarchiv taucht 1876 eine firma F. R. Liebscher auf, ich habe sie allerdings mit manueller Suche nicht in dem Scan gefunden.
Die KI sagt, das (F) R. Liebscher im späten 19. Jahrhundert nach Russland auswanderte und in seinem Kaufhaus in Astrachan hochwertige mechanische Importwaren aus Mitteleuropa – vor allem goldene Taschenuhren, Wanduhren, Brillen und eben auch Nähmaschinen vertrieb.
Liebscher kaufte fertige, unbeschriftete Nähmaschinen in Deutschland, unter anderem in Sachsen ein. Unter dem Händlernamen verbirgt sich meist eine klassische deutsche Langschiff- oder Schwingschiff-Nähmaschine aus der Zeit zwischen 1890 und 1914. Die genaue Fabrik lässt sich meist nur über Seriennummern oder eingegossene Herstellermarken unter der Bodenplatte ermitteln.
Frister & Rossmann exportierten viel nach Russland, ebenso Biesolt & Locke.
Vielleicht findest du Hinweise dazu.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mi 24. Jun 2026, 18:01
von rubberduck
Hallo inch,


ein großes Danke an dich für die Informationen.

Auch habe ich ein wenig recherchiert - nämlich einen Bekannten gefragt, dessen Muttersprache russisch ist.
Hier seine Übersetzung der Beschriftung der Plakette:
- links seitlich: Verkauf
- oben: Näh
- rechts seitlich: Maschine
- Mitte: Libscher (oder so ähnlich)
- Mitte über Libscher: F und ein R
- Mitte unter Libscher: W und dem Symbol für ein harte Aussprache des Buchstabens.
- unten quer: Astrachan

Anmerkung seinerseits: So spricht und schreibt heutzutage kein Russe, das muß alt sein!

Eigentlich das Gleiche, wie du ermittelt hast, bis auf die Ergänzung des hart auszuspechendem "W" unterhalb von "Libscher".


Mein Bekannter hat nichts mit Nähmaschinen zu tun, aber er hat dann auch auf wohl ein wenig recherchiert.

Auf dem "russischem E-bay" - so seine Worte - hat er was Interessantes gefunden. Nämlich eine Nähmaschine, die meiner mindestens sehr ähnlich ist, wenn nicht sogar baugleich?!

Hier dessen Link:

https://festima.ru/docs/369228687/mosco ... bsher-1870


Da oft solche Links nicht geöffnet werden wollen oder Firewall oder Virenscanner warnen, hier dessen Screenshots.

Russisches Original:
Screenshot 2026-06-24 185035.jpg
Screenshot 2026-06-24 185132.jpg
Und die automatische Übersetzung:
Screenshot 2026-06-24 185238.jpg
Screenshot 2026-06-24 185406.jpg

Man muß ja nicht alles glauben, was da steht, aber sie wurde wohl vor vier Jahren für umgerechnet ca. 3500€ verkauft, so die Aussage meines Bekannten, was aus dem Inserat ersichtlich ist.


Interessant ist die für die Nähmaschine angegebene Nummer am Ende des Inserats: 369228687.
"Meine" Seriennummer ist ebenfalls neunstellig.
Ist es die Seriennummer der verkauften Nähmaschine oder nur die "Artikelnummer" vom "russischem e-bay"?!



"WIEAUCHIMMER":

Ohne handwerkliche Arbeit bleibt ein Haufen Rost ein Haufen Rost!!!

Ich konnte heute paar weitere Teile zerstörungsfrei demontieren!
IMG_2329.JPG
Insbesondere das dortige linke Teil war ein Erfolg, da jetzt dessen Welle "frei" laufen kann.
IMG_2330.JPG
Und ich jetzt beginnen kann, die obere Welle und genannte Welle von ihrem "Festsitz" befreien kann, die über ein Kegelradgetriebe miteinander verbunden sind.

Auch gab´s unerwartete Bewegung im "Unterbau":




Ich seh´s als motivierendes Zeichen: Sie will wieder NÄHEN!! biggrin biggrin biggrin biggrin


Grüsse.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mi 24. Jun 2026, 19:00
von Jonas2404
Gratulation zur ersten Bewegung biggrin

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mi 24. Jun 2026, 20:22
von rubberduck
Viele weitere werden noch folgen müssen.
Und dessen Bewertung!!!???
Der Rost verbraucht schon Material!