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Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Mo 2. Feb 2026, 04:09
von sct_0
Ich habe vor kurzem zwei Strobel 144 (eine mit Tisch) erworben und stelle hier mal vor wo ich damit gerade dran bin. Die Maschine und das Gestell die ich zuerst bekommen habe waren extrem verdreckt, daher habe ich das Glück genutzt, dass auf Kleinanzeigen gleichzeitig jemand auch noch eine weitaus sauberere Maschine ohne Tisch zu gutem Preis anzubieten hatte. Bei dieser fehlen zwar ein paar Teile, aber die waren glücklicherweise bei der dreckigen Maschine noch vorhanden.
Der Tisch ist inzwischen gesäubert, geschliffen, gefärbt und gewachst, das Gestell war extrem verdreckt, ich denke das ist uU auch Lack der sich da auflöst. Ist denke ich immernoch nicht richtig sauber, aber jetzt bekommt man immerhin keine schwarzen Finger mehr wenn man was anfässt.
Fußbedal ist noch nicht montiert weil ich da noch ein paar Teile polieren will und Riemen kommt eh erst die Tage an. Allgemein werde ich nach und nach noch viele Teile an der Maschine weiter reinigen/polieren.
Hier erstmal ein paar Bilder von der Maschine selber, wer gerne ein bestimmtes Detail sehen will kann bescheid sagen, ansonsten werde ich auch nochmal eine bessere/detailiertere Dokumentation posten wenn ich selbst vertrauter mit ihr bin.
strobel_front.jpg
strobel_right.jpg
strobel_left.jpg
strobel_left_open.jpg
Ein paar Hinweise die ich schonmal geben kann:
  • Die Metallplatte links definitiv mal runtermachen, bei mir war das schon mehr solider Filz als Fusseln was da an Dreck hinter war.
  • Wie man auch sieht, sind zumindest bei meiner Maschine die Löcher in die Öl muss rot markert.
  • Das silberne Rad rechts kontrolliert über absenken/anheben der unteren Hälfte die Stichtiefe und der kleine Hebel mit dem Ball unter der Auflage dient zum Feststellen der Platte in der offenen Position. Unter diesem Hebel ist eine kleine Schraube mit Mutter drauf, damit kann man die Maximalhöhe der Platte runterschrauben.
  • Mit der quadratischen Schraube oben auf dem Nadelarm löst man diesen vom Zylinder, dadurch kann man die Ausrichtung ändern. Das dieser richtig eingestellt ist, ist extrem wichtig, da sonst die Nadel unten an der Platte langschleift oder mit dem Fadengreifer kollidiert. Wenn man da etwas verschiebt also immer erstmal von Hand testen ob alles passt.
  • Die Nadeln haben an der Unterseite eine Kerbe, ich bin mir sehr sicher, dass der Faden dort entlanglaufen soll bevor er von unten durch das Öhr geführt wird. Man muss also schauen, dass die Nadelgröße wirklich gut zum Faden passt. Der rote Faden in meinen Bildern ist eigendlich zu dick und liegt weniger sicher in der Kerbe als ein dünnerer Faden.
  • Der Riemen wird innen am Antriebrad durchgeführt, also nicht an der großen Kerbe außen. Ich habe schon den Tischbauer verflucht und war drauf und drann mir Lochsägenbits zu besorgen als ich gemerkt habe, wo der Riemen tatsächlich lang soll.
Dieses Video war extrem hilfreich, sowie ein paar Hinweise und Bilder von anderen Besitzern der Maschine, Dank an dieser Stelle nochmal an inch. sd11

Der Account gehört zu jemandem der wohl beim niederländischen Naaimachinemuseum arbeitet. Ich habe das Museum mal kontaktiert um nach einer Anleitung zu fragen, leider habe ich bisher nichts zurückgehört.
Ich habe auch versucht Strobel für eine Anleitung zu kontakierten, aber bei denen war allen Ernstes das Postfach voll. boewu20 Da probiere ich es in ein paar Tagen nochmal.

Nun noch zu meinen aktuellen Problemen mit der Maschine.

Ich frage ich mich immernoch wofür diese beiden Anschraubteile gut sind. Das erste gibt es in einer Version für rechts und einer für links und wird in der Auflistung als "Rollineal" bezeichnet.
Ich dachte erst es sei zum Führen vom Stoff, falls das der Fall sein sollte, habe ich aber nicht rauskriegen können, wie das funktioniert. Von dem unteren gibt es nur eins und es findet sich nur in der Teileliste für die 144, ich konnte aber von dieser aber nur den Teil finden, auf dem gerade der Name von dem Teil nicht drauf ist.
rolllineal_links.jpg
was_ist_das.jpg
Zudem hat die eine Nadel die noch in einem guten Zustand war, alleine durch meine paar Handtests nun auch schon eine leicht angebogene Spitze. Ich hoffe, dass das daran liegt, dass meine Maschine noch nicht ganz richtig eingestellt ist, und die Nadeln nicht wirklich so schnell verschleißen.
Ich bin mir bei der Fadenführung auch noch nicht sicher, ob der Faden ober- oder unterhalb von dem Stab auf dem die Klemmscheiben sitzen langgeführt werden soll.

Die aktuell größte Hürde ist allerdings, dass sich nun zwar nach einigem Rumtüfteln konsistent Stiche bilden, allerdings zieht es den Stoff dabei so sehr nach links, dass sich auf der Rückseite eine Wulst und auf der Vorderseite eine Furche bildet, siehe Bilder. In dem YT Video das ich oben verlinkt habe scheint das nicht zu passieren, da liegt alles schön flach. Ich komme aber nicht darauf, was bei meinem Ablauf anders ist. Zum Vergleich habe ich auch ein Video gemacht, den Antrieb mache ich da noch von Hand, deshalb ist das alles etwas ruckelig
Beim Testen habe ich auch an der Fadenspannung rumgespielt, diese ist im Video unten so locker wie es nur geht, ich denke daran liegt es also nicht.
Das kleine *plönngg* das man immer mal wieder hört kommt von den Federn unten beim Metallschild, da hatte ich überlegt, ob die vielleicht zu fest eingestellt sind, da muss ich noch rumprobieren.
test_oberseite.jpg
test_unterseite.jpg

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Mo 2. Feb 2026, 14:59
von sct_0
Haber eine Email von Strobel zurückbekommen, leider haben sie garkeine Dokumentation mehr zu der Maschine.
Letztes Jahr hat jemand wohl irgendwo noch eine Bitmap von der Anleitung bekommen, aus den 70ern wohl. Ich dachte die hätte er von Strobel bekommen, aber anscheinend nicht.

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Mo 2. Feb 2026, 18:36
von inch
Zunächst einmal, danke für den recht guten Überblick.
Bitte keine Bilder im Forum verlinken, sondern direkt hochladen, wäre schön, wenn du das noch nachholst.
Das Strobel keine alten Unterlagen mehr hat, ist nicht verwunderlich, leider hat auch die Fa.Strobel sich der billigen Konkurrenz aus Asien zu erwehren und ganz sicher andere Probleme.
Ich habe vorhin ein Foto meiner Strobel 144 gemacht, welches ich gerne einfüge.
Strobel 144.jpg
Die Strobel 144 war eigentlich die abgespeckte Version der 44 für den "kleinen Schneidermeister".
Strobel Modelle.png
Strobel Flyer.png
Der Stoff zieht sich bei dir so, weil die Mikrometerschraube mehr auf "seichter" eingestellt werden sollte und du auch nur diesen dünnen, schmalen Streifen Stoff getestet hast.
Versuche es mit etwas dickerem Stoff und einem zweiten darüber, so, als wenn du pikieren wolltest.

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Do 5. Feb 2026, 01:16
von sct_0
Da ich nur 10 Dateien anhängen kann, poste ich die Dokumente die vorher im Eingangspost waren hier nochmal separat.

Teileliste Strobel Kl. 44, falls der relevante Thread mal erstellt wird, gerne dort reposten:
strobel_44_teileliste_bilder.jpg
strobel_44_teileliste_1.jpg
strobel_44_teileliste_2.jpg
Dokumente zu Nadeln:
strobel_nadelinformationen.jpg
strobel_nadelklassifizierung_1.jpg
strobel_nadelklassifizierung_2.jpg
strobel_nadelmappe.jpg
strobel_nadelinformationen_verbogen.jpg
strobel_nadel_verbogen.jpg
strobel_nadel_abziehen.jpg

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Do 5. Feb 2026, 02:04
von sct_0
Ansonsten habe ich einen mittelgroßen Erfolg zu verzeichnen: Ich bin gestern Abend zumindest an eine Zusatzanleitung für die Strobel 44-2N gekommen, da bin ich im Moment am Schauen, ob ich die hier einfach in Gänze posten kann da ich auch diese Anleitung bisher noch nie online gesehen habe.
Der interessanteste Teil der Anleitung was die Kl. 144 angeht ist die Umstellung von Blindstich auf Durchstich, der bei beiden Maschinen analog funktioniert indem man das Rollhorn (der silberfarbene "Griff" vorne) runterklappt und dann mit einem Schraubenzieher oä die linke Metallplatte verschiebt.
Ich habe gestern und heute ganz kurz mit der Umstellung rumgespielt. Meine Maschine war wohl auf Durchstich eingestellt und das Stichbild wird definitiv besser wenn sie auf Blindstich steht.
Der Stoff mit dem ich im vorherigen Post getestet habe, ist auch eigendlich garnicht so dünn (und ich habe vorher auch schon mit einem größeren Stück getestet), aber er ist sehr weich und grob gewebt was sicher nicht hilft, zumal auch die Nadel eigendlich zu dünn für den Stoff ist. Habe inzwischen einen neuen Riemen und (hoffentlich) mehr passende, neue Nadeln und werde die nächsten Tage noch viel testen und dann genauer berichten wie das funktioniert.

Ich habe noch eine interessante Sache entdeckt: In der Anleitung ist auch beschrieben, wie man die Stichlänge bei der 44-2N einstellt. Das ist ein Zusammenspiel aus einem Drücker (SB 91) und dem Handdrehrad, an dem zum Einstellen eine Markierung angebracht ist:
strobel_44_schematic.png
Weder meine beiden 144, noch die von inch haben dieses Teil oder die Markierung. Auch in der Werbung für die Maschine die inch im Marktplatz gepostet hat ist nichts davon zu sehen.
Aber ich habe auf Kleinanzeigen tatsächlich eine Strobel 144 gefunden die beides hat.
Das Angebot ist von Kleinanzeigen-Userin Anette (die auch die Anleitungen hat, sich aber auch gegen Bezahlung (verständlicherweise) nicht den Aufwand machen möchte diese zu scannen).

Soweit ich das erkennen kann, ist dieses Modell ansonsten äußerlich baugleich zu unseren (und allen anderen 144ern die ich bisher gesehen habe). Ergo kann man bei der abgespeckten 144er wohl üblicherweise nicht die Stichlänge einstellen, aber aus irgendeinem Grund wurden unter der gleichen Klasse auch Maschinen produziert, bei denen das doch geht. Könnte eine Sonderanfertigung sein, leider ist kein Bild dabei auf dem man die Seriennummer und ggf einen Zusatz sieht, der das kennzeichnen würde. Alternativ könnte die Funktion natürlich auch am Anfang vorhanden und dann eingespart, oder erst in späteren Herstellungsjahren hinzugefügt worden sein.

Eine weitere Funktion der 44-2N, die die Kl. 144 nicht hat, ist ein Boltzenmechanismus mit dem man sauber über dickere Stellen wie Nähte pikieren kann, ohne dafür extra die Stichtiefe umstellen zu müssen. Ich habe mich schon öfter gefragt wo genau die 144 eigendlich ihre Einschränkungen hat, und während es mir etwas seltsam vorkommt die Stichlängeneinstellung wegzulassen, kann ich mir vorstellen, dass jemand auf die Funktion für Nahtübergänge tatsächlich gut verzichten kann, wenn die Maschine im Gegenzug billiger ist.

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Do 5. Feb 2026, 10:09
von Jonas2404
sd11 für die ausführliche Beschreibung und macht Lust auf mehr

Viele Grüße
Birgit

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Do 5. Feb 2026, 16:52
von inch
Die Pikiermaschinen von Strobel hatten nach meiner Kenntnis alle keine Stichlängenverstellung, sondern wurden standardmäßig mit 7 mm fester Stichlänge ausgeliefert.
Auf Wunsch gab es von Werk aus 5 und 9 mm Stichlängen.
Umgestellt auf Plackstich bzw. Blindstich wird wie folgt:
Strobel Kl144.jpg

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Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Do 5. Feb 2026, 23:59
von sct_0
Habe die Bilder von Kleinanzeigen wieder rausgenommen. Das alte Bild im ersten Post, dass ich auf Pinterest gefunden hatte, kann ich nicht rausnehmen weil sich der Post nicht mehr editieren lässt.
MOD-EDIT: Bild entfernt.

Ich bin jetzt auch an die Maßschneideranleitung gekommen (Druckschrift 51), fehlt also nur noch die Hauptanleitung (Druckschrift 50) und dann habe ich quasi das Strobel Triforce zusammen. biggrin

Danke für das Bild inch! Die kleinen Schematiken rechts sind fast eins zu eins auch in meiner Anleitung für die 44-2N vorhanden.
Was die variable Stichlänge angeht, ich wüsste nicht, was mit diesem Teil der Anleitung sonst gemeint sein könnte:
strobel_44_stichlaenge.png
strobel_44_schematic.png
Und die Strobel 144 die ich auf Kleinanzeigen gefunden habe, scheint genau die gleiche Vorrichtung zu haben, inklusive der Markierung am Handrad.
Wenn ich so darüber nachdenke, macht es durchaus Sinn, dass zum Pikieren eine variable Stichlänge nicht sooo wichtig ist. Da die 44-2N Anleitung speziell darauf verweißt, dass es sich um eine Zusatzanleitung für dieses Modell handelt und man allgemeine Informationen aus der Druckschrift 50 beziehen soll, vermute ich mal, dass die variable Stichlänge eine Funktion ist, die nur die 2N Variante hat. Dafür spricht auch, dass in der Druckschrift 51 eingangs für die 44-2N geworben wird, und auch in der Abbildung dort hat sie diesen kleinen Drücker oben, der bei der Abbildung der 144 in der gleichen Anleitung aber wieder fehlt.
Umso kurioser finde ich aber die besagte Kleinanzeigen-144.

Die Anleitung für die 44-2N ist übrigens insgesamt nur 4 Seiten lang, und die Hälfte sind doch Funktionen/Bauweisen, die sie durchaus mit den anderen Maschinen gemeinsam hat, wie eben die Blind-/Durchstich Umstellung, was mich etwas verwundert. Wahrscheinlich wollte man Leuten ein Minimum an Informationen in einer Anleitung zusammenstellen.
Alternativ hatte vielleicht auch die 44-2N diese Bauart der Umstellung zuerst, und sie wurde erst später auch für die Kl. 44, 144 etc in dieser Form verbaut. Ich habe aber noch nichts gesehen, was diese Theorie bestätigen könnte.

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Fr 6. Feb 2026, 17:21
von inch
sct_0 hat geschrieben: Mo 2. Feb 2026, 04:09 Ich frage ich mich immernoch wofür diese beiden Anschraubteile gut sind. Das erste gibt es in einer Version für rechts und einer für links und wird in der Auflistung als "Rollineal" bezeichnet.
Ich dachte erst es sei zum Führen vom Stoff, falls das der Fall sein sollte, habe ich aber nicht rauskriegen können, wie das funktioniert. Von dem unteren gibt es nur eins und es findet sich nur in der Teileliste für die 144, ich konnte aber von dieser aber nur den Teil finden, auf dem gerade der Name von dem Teil nicht drauf ist.
Bei dem Teil handelt es sich um das Säumerlineal.
Strobel Kl. 144 Teileliste.png

Re: Strobel Klasse 144, Blindstichmaschine aus den 30ern

Verfasst: Di 3. Mär 2026, 18:43
von Pfaffschrauber
Hallo,

ich habe auch eine 144.Leider ohne Tisch
Die hat auch die Verstellung SB91.
Vor einiger Zeit konnte ich das Original Dokument 51 in der 3ten Ausgabe kaufen.
Das Dokumnent 50 fehlt bei mir noch.
Wenn es jemand hat und mir eine Kopie geben könnte, wäre das Klasse.
Im Gegenzug könnte ich Dok. 51 einscannen und anbieten.

Ich hätte Intresse mich auszutauschen und das Maschinchen ins Laufen zu bekommen.
Meine Maschine ist auf einer Holzplatte montiert und wird mit einem starken Nähmaschinenmotor angetrieben.
Ich hatte schon mal Bilder im Nähmaschinentechnik Forum gepostet und nach Hilfe wegen der Anleitung gefragt.
Dort scheint im Moment auch wieder Interesse an dem Thema zu sein.

Eine Anleitung für die 44-2-N hat mir Strobel auf Anfrage per Mail als PDF geschickt.