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Nadel und Garn

Verfasst: Di 27. Jan 2026, 02:59
von rubberduck
Hallo,



ich besitze Nähmaschinen von vor 1900 bis in die 80er Jahre und habe festgestellt, daß sich größtenteils der Durchmesser für dessen Befestigung in der Nadelstange nicht geändert hat. Irgendwann war aber der "Sitz" der Nadel im Bereich der Befestigung mit einer "flachen Seite" versehen, damit die axiale Einstellung der Nadel nicht mehr nötig ist, da sie nur "in einer axialen Einstellung" paßt.
Um eine Nadel richtig axial auszurichten, muß man nur wissen, wo sich die Spitze des Greifers - also die "Spitze" bewegt, die den durch die Nadel nach unten gezogenen Faden greift und dieser einmal um Unteres drumherum geht um eine Naht zu bilden. Dort ist die Verjüngung im Bereich des Nadelöhrs der Nadel axial zu platzieren. Gegenüber dessen hat dort eine Nähnadel immer eine Längsrille.
Einzufädeln ist immer von der Rille.
Nutzt man "moderne" oder "keine Ahnung ob sie passt" Nähnadel, so erstmal ganz langsam die Nähmachine von Hand drehen und schauen, ob die Nadel überhaupt das Loch in der Stichplatte trifft - bei ZickZack mittig im Schlitz und beider Richtung ist. Dann die Nadel einstecken und hören, ob sie frei von mechanischen "Anschlägen"/"Streifungen" ist. Dann die Nadel wie oben beschrieben axial ausrichten, einfädeln und schauen ob man mit langsamen Drehen den Unterfaden nach oben bringt. Ist dem nicht so und durch "Tieferstellen" der Nadel kein Erfolg, so muß unterhalb der Stichplatte nach dessen Ursachen geforscht werden, was aber jetzt "den Rahmen" sprengen würde.
Sollte man den Unterfaden hochziehen, einfach mittels Nähen die Nähmaschine für eine eine gute Naht GUT einstellen.

Bei älteren Nähmaschinen habe ich anfangs aus Faulheit dessen "Uralt-Fäden" des Unterfadens nicht durch "Neue" ersetzt mit dem Ergebnis, daß diese brüchigen Fäden bei korrekter Fadenspannung nicht rissen und eine richtig gute und stramme Naht möglich war. Umgekehrt war es mit modernen reißfesten Fäden auch möglich Jeansstoff so zu riffeln, daß man ihn bezüglich dessen als Gardine verwenden könnte.
Normal - so denke ich - sind die meisten Nähmaschinen bezüglich der Fadenspannung viel zu straff eingestellt, was natürlich ein gutes Nähbild erzeugt, sofern der Stoff sich beim Nähen nicht zusammenzieht.
Aber es benötigt immer reißfesterer Fäden, die eigentlich oft garnicht nötig sind.


Ich nähe eigentlich nur mit "Billiggarn" und verwende "Noname" Nähnadeln oder "keine Ahnung, ob sie passen". Ich hege aber auch den Aufwand, die Nähmaschine mittels Nähproben für geändertes Material/Stoffdicken einzustellen.



Grüsse.

Re: Nadel und Garn

Verfasst: Di 27. Jan 2026, 10:08
von Ärmel
Hallo rubberduck,
vielen Dank für den ausführlichen Beitrag und die informativen Details.
Werden hier sicher mit dazu beitragen, diverse Probleme zu beheben.
Mitunter sind es ja insbesondere die von dir aufgezeigten Vorgehensweisen, um perfekte Nähte zu erzielen... 1f44d
Grüße Heinrich

Re: Nadel und Garn

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 19:22
von rubberduck
Hallo Heinrich,


beispielsweise habe ich Gardinen in der Länge gekürzt und sie mit meiner Singer 764 mit "magischer Spule" mit normalem "Geradeaus" und minimaler oberer Spulenspannung nähen wollen. Schon bei der Nähprobe habe ich dann abgebrochen, weil einfach der Unterfaden viel zu stramm war und ich nicht wüßte, wie man da was einstellen kann. Natürlich hat die Singer 764 auch irgendwo einen Stich, der bestimmt besser für sowas ist.
Aber darum ging es mir nicht!
Ich habe dann meine Singer 216 genommen und dessen Einstellmöglichkeiten genutzt. Natürlich habe ich auch mehrfach die Spulenkapseln rausgenommen und dort die Unterfadenspannung mittels Schraubendreher korrigiert. hat schon bißchen Zeit in Anspruch genommen bis eine erfolgreiche Naht möglich war.
Und bestimmt werde ich wieder ähnlichen Aufwand betreiben müssen, wenn ich was ganz Anderes damit nähen will, da es sehr schwer möglich ist bei alten Nähmaschinen das vorher Eingestellte exakt reproduzieren zu können, was schon bei der Oberfadenspannung anfängt, wo es keine Skala mit Zahlen gibt und bei der Unterfadenspannung beim Einstellen mittels Schraubendreher ein Hauch zu weit oder zu wenig dessen Schlitzschraube zwischen "gut und schlecht" entscheidet.
Will man mit alten Nähmaschinen nähen, muß man sich solchem annehmen.
Manchmal dauert - oft garantiert mehrfachen Zeitaufwand - das Einstellen der Nähmaschine länger als die eigentlich zu tätigende Naht.
Wer sowas nicht möchte oder/und sich sowas nicht zutraut, ist mit einer alten Nähmaschine nicht "gut bedient" - was natürlich auch für Nähmaschinen gilt, wo die Nähnadel nicht "Plug-and-Play" eingebaut wird (also ohne obere Abflachung ist).
Diese werden wahrscheinlich nur ein gutes "Näherlebnis" mit moderneren Nähmaschinen mit einfacherer mechanischer Bedienung haben werden, was ja vollkommen in Ordnung ist: Sowas können Maschinen ähnlichem Alters der benannten Singer 764 sein bis hin zu "supermodernen" Nähmaschinen, wo man mittels "Touchpad" Gewünschtes einstellt und die viel einfach von ganz alleine machen.
Probeweise habe auch mit solchem Futuristischen Nähen dürfen - gigantisch geil: Aber nicht meins!
Als Nachsatz: Oft wird aber bei Einsatz von Elektronik und Steuergeräten moniert, daß nichts mehr mechanisch einstellbar ist, was stimmt. Aber oft sind solche Leute mit den Einstellmöglichkeiten alter Technik überfordert und/oder nehmen sich nicht wie ich die Zeit, um tatsächlich die Nähmaschine für eine zu tätigenden Naht "einzunähen", was oft bestimmt Geduld erfordert.
Bei modernen Nähmaschinen macht man bestimmt nur einfach paar Klicks auf dem Display und dann macht sie ihre Arbeit bestimmt mindestens gut.
Wo liegt dann aber der Vorteil bei einer alten Nähmaschine?
Antwort: Bei guter Pflege kann man sie vererben! biggrin biggrin biggrin


Grüsse.

Re: Nadel und Garn

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 19:36
von Ärmel
von rubberduck » Mi 28. Jan 2026, 20:22
Bei modernen Nähmaschinen macht man bestimmt nur einfach paar Klicks auf dem Display und dann macht sie ihre Arbeit bestimmt mindestens gut.
Wo liegt dann aber der Vorteil bei einer alten Nähmaschine?
Antwort: Bei guter Pflege kann man sie vererben! biggrin biggrin biggrin
Dem kann man nur zustimmen... biggrin 1f44d
Grüße Heinrich

Re: Nadel und Garn

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 19:44
von Delilah-Rose
Da hast du sowas von recht, falls jemand unsere alten Schätze erben möchte, ich würde eher darauf wetten, dass sie das alles auf den Sperrmüll werfen werden, oder utopische Preise erwarten, spiele schon mit dem Gedanken meine Lieblingsmaschine mit ins Grab zu nehmen smile

Re: Nadel und Garn

Verfasst: Do 29. Jan 2026, 12:49
von egon
Delilah-Rose hat geschrieben: Mi 28. Jan 2026, 19:44 Da hast du sowas von recht, falls jemand unsere alten Schätze erben möchte, ich würde eher darauf wetten, dass sie das alles auf den Sperrmüll werfen werden, oder utopische Preise erwarten, spiele schon mit dem Gedanken meine Lieblingsmaschine mit ins Grab zu nehmen smile
...da ich schon lange auf der Suche bin nach "meiner Lieblingsmaschine" .....welche hat sich bei dir so weit vorarbeiten können?

Re: Nadel und Garn

Verfasst: Do 29. Jan 2026, 13:01
von egon
rubberduck hat geschrieben: Mi 28. Jan 2026, 19:22 bis hin zu "supermodernen" Nähmaschinen, wo man mittels "Touchpad" Gewünschtes einstellt und die viel einfach von ganz alleine machen.
....die Spannung am Oberfaden können die "supermodernen" schon einstellen. Aber stellen die am Unterfaden - von dem du ja 2 Absätze weiter oben berichtest - auch schon ein?
Das ist mir noch nicht so aufgefallen, hab mich aber auch nicht damit beschäftigt.

Aber Recht hast du, dass die Umbauerei auf andere Verhältnisse - derber oder lockerer Stoff - Garne oder Zwillingsnadel schon etwas Kennung von der Materie erfordert und selbst dann nicht ruck zuck geht.

Einen cleveren Trick haben die W6-Leute drauf: Die machen immer wieder Werbung, dass man "IHR" Garn nehmen soll. Wenn man sich daran hält, spart man sich viel Ärger: die verkaufen nur 100er Garn und schon entfällt die Rumstellerei... lol16 lol16 lol16

Grüße