Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"
Verfasst: Mi 5. Aug 2026, 17:27
Danke für den Praxis-Tip. 
Nähmaschinenfreunde e.V.
https://naehmaschinenfreunde.de/
ravemachine hat geschrieben: ↑Di 4. Aug 2026, 20:01rubberduck hat geschrieben: ↑Mo 3. Aug 2026, 23:15
Mit der Annahme, daß die Zeichnung einfach nur schlecht ist, hat Singer nie eine Nähmaschine mit tiefsitzendem Handrad gebaut !!!???
Aber warum wurden diese Nähmaschinen mit unten angebrachtem Handrad überhaupt gebaut!?
Dessen Einbindung in einen mit Fußbetrieb befindlichen Nähtisch ist mit gravierenden Änderungen Dessen nur möglich - eigentlich verbleibt sowas nur als "Handkurbelbetrieb".
Ich denke, daß es einfach nur um´s Geld und die Marge am verkauften Produkt geht mit dem "Lastenheft": Riemenantrieb möglich, was die Rille am Handrad darstellt.
Und tatsächlich ist dessen technischer Aufwand wesentlich geringer als auf der oberen Welle aufgestecktes Handrad, was dann mittels Handkurbel versehen wird.
Und viel genannter "gusseisener Sockel" ist nicht mehr als "Irgendwas", was aus "Irgendwas" mit möglichst wenig Materialaufwand gepresst wurde.
Tja, betrachtet man es recht ehrlich, so ist meine Nähmaschine ein Beispiel dafür, wie man damals "Geld verdient hat" - bescheißen!
Grüsse.
Um die die kopierten Nähmaschinen richtig einordnen zu können müssen wir die damalige Zeit verstehen. Mit Beginn der Industrialisierung, um 1850-1870 gab es überwiegend nur relativ kleine Manufakturen und das Markenrecht war noch nicht erfunden. Es war in dieser Zeit durchaus üblich, dass ein Fabrikant anderen Herstellern beim Nachbau der eigenen Produkte behilflich war. Er war stolz auf das einene Produkt und es gab genügend Nachfrage, die man selbst nicht komplett befriedigen konnte.
Das änderte sich in der zweiten Phase der indutrialisierung ab ca. 1870. Nun gab es durch den massiven Einsatz der Dampfmaschine die Massenproduktion, wie wir sie heute kennen. Der damit einhergehende Konkurenzdruck der Firmen ließ zunächst in Amerika das Branding und dann auch auf dem alten Kontinent, ab den 1880er Jahren, das Markenrecht aufkommen.
Im Fall Deiner Nähmaschine kann daher noch nicht von Produktpiraterie gesprochen werden. Du kannst sie also wieder lieb haben.![]()
Das herabgesetzte Handrad, im Fall der Saxonia, ist dem Zahnradantrieb geschuldet, wie er zu Beginn des Nähmaschinenbaus durchaus üblich war.
Die erste Singer.Nähmaschine von 1851 ist dafür ein gutes Beispiel.
Singers_first_sewing_machine_patented_in_1851_1880.jpg
In der Regel wurden die Saxonias im Handbetrieb eingesetzt.
Durch die günstige Fertigung waren diese Nähmaschinen für den Export prädestiniert.
Der heimische Markt war schon etwas kaufkäftiger und anspruchsvoller.