Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"
Verfasst: So 2. Aug 2026, 21:49
Jetzt schwebst du bestimmt auf Wolke 7. Es sei dir auch gegönnt. Tolle Arbeit.

Nähmaschinenfreunde e.V.
https://naehmaschinenfreunde.de/
ravemachine hat geschrieben: ↑Do 30. Jul 2026, 20:28rubberduck hat geschrieben: ↑Mi 29. Jul 2026, 19:00
Ein "A" oder "B" habe ich bei meinen Recherchen des Öfteren gefunden: Es bezeichnet die Größe der Maschine: A=klein und B=groß.
Bei den deutschen Langschiff-Nähmaschinen handelt es sich um Klone der Singer Langschiff-Nähmaschine "New Family Machine" / "Class 12" (Neue Familien Nähmaschine / Klasse 12), die 1865 auf den Markt kam.
Singer_12_1874_01_IMG_3968.JPG
Singer New Family Machine, Bj. 1874
Sie war die Weiterentwicklung der 1859 eingeführten "Family Machine" / "Letter A" (Familien Nähmaschine / Buchstabe A).
Singer_Letter-A_1859.jpg
Das Konzept Buchstaben als Typenbezeichnung zu verwenden, wurde mit Beginn der Massenfertigung ab ca. 1870 von sämtlichen deutschen Nähmaschinenfabrikanten übernommen, bis schließlich um 1900 die Nähmaschinen-Modelle Nummern erhielten.
Die Singer "Letter A" war zu diesem Zeitpunkt bereits veraltet und so kam es, dass nicht der Nachbau der ursprünglichen Singer Familien Nähmaschine "Letter A", sondern deren Nachfolger "New Family Machine" in unserem Land den Buchstaben "A" als Typenbezeichnung bekam.
Pfaff_A_.jpg
Pfaff "A"
Um mehr Durchgangsraum zu gewinnen, wurde bei gleicher Grundplatte der Arm höher ausgeführt. Die Singer "Family High-Arm" / "Model 48".
Singer 48K.jpg
Deren Klone wurden in Deutschland als "B" bezeichnet.
Duerkopp_2_Familien-B-Maschine.jpg
Dürkopp No.2 Familien-B-Maschine
Die Langschiff-Nähmaschine gab es ab 1870 für Schneider und Schneiderinnen in einer etwas gößeren Ausführung. Die Singer "Medium" / "Class 13".
Singer_Medium_1870.jpg
Die Klone dieses mittelgroßen Modells wurden ebenfalls "Medium" genannt.
Duerkopp_2-5_Medium.jpg
Dürkopp No. 2-5, Medium-Maschine
Die große Schneider-Nähmaschine bekam die Bezeichnung "Titania"
Duerkopp_2-11_Titania.jpg
Dürkopp No. 2-11 Titania-Maschine
Ein Exot unter den Langschiff-Nähmaschinen war die Singer "Patent Cylinder" Handwerker-Nähmaschine.
Hier zu sehen ist der Dürkopp-Klon in einer Annonce von 1882:
Duerkopp_Patent_Singer_Cilinder_1882_.jpg
Nähmaschinen mit tiefliegendem Handrad basieren auf der Ansteuerung der Nadelstange durch eine Kurvenwalze. Diese saß auf der Greiferwelle - angetrieben durch das deshalb tiefere Handrad.rubberduck hat geschrieben: ↑Mo 3. Aug 2026, 23:15 Aber warum wurden diese Nähmaschinen mit unten angebrachtem Handrad überhaupt gebaut!?
rubberduck hat geschrieben: ↑Mo 3. Aug 2026, 23:15
Mit der Annahme, daß die Zeichnung einfach nur schlecht ist, hat Singer nie eine Nähmaschine mit tiefsitzendem Handrad gebaut !!!???
Aber warum wurden diese Nähmaschinen mit unten angebrachtem Handrad überhaupt gebaut!?
Dessen Einbindung in einen mit Fußbetrieb befindlichen Nähtisch ist mit gravierenden Änderungen Dessen nur möglich - eigentlich verbleibt sowas nur als "Handkurbelbetrieb".
Ich denke, daß es einfach nur um´s Geld und die Marge am verkauften Produkt geht mit dem "Lastenheft": Riemenantrieb möglich, was die Rille am Handrad darstellt.
Und tatsächlich ist dessen technischer Aufwand wesentlich geringer als auf der oberen Welle aufgestecktes Handrad, was dann mittels Handkurbel versehen wird.
Und viel genannter "gusseisener Sockel" ist nicht mehr als "Irgendwas", was aus "Irgendwas" mit möglichst wenig Materialaufwand gepresst wurde.
Tja, betrachtet man es recht ehrlich, so ist meine Nähmaschine ein Beispiel dafür, wie man damals "Geld verdient hat" - bescheißen!
Grüsse.