Seite 7 von 9

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Di 28. Jul 2026, 12:47
von Kerstin
Hey, ist doch toll! Du hast den Klumpen zum Nähen gebracht! Herzlichen Glückwunsch!

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Di 28. Jul 2026, 19:24
von ravemachine
Die Ausdauer und Mühen haben sich gelohnt. lol16

Ich gratuliere Dir zu Deinem neuen "Baby" par24

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Di 28. Jul 2026, 23:37
von inch
Bei ebay wird unter der Artikelnummer item number:236915524598 eine Saxonia sehr ähnlich wie diese hier angeboten mit der Seriennummer 221847, welche höher weitaus höher ist und trotzdem keinen Deckschieber vor dem Transporteur hat.
Eine Idee wäre, das es diese Nähmaschinen in verschiedenen Ausstattungen und Preislagen gab und diese parallel produziert wurden.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mi 29. Jul 2026, 06:45
von Jonas2404
rubberduck hat geschrieben: Mo 13. Jul 2026, 20:33 So, was Anderes:


Ich habe mir die "Seriennummer" mal genauer angeschaut.

seriennummer groß.jpg


Die ersten beiden "Zweien" sehen identisch aus. Bei der Dritten "2" (7. Ziffer) ist der horizontale "Unterstrich" länger.
Bei der "5" (8. Ziffer) ist der horizontale Oberstrich kürzer, die obere linke Ecke ist weniger eckig ausgeprägt und sie erscheint bauchiger und der untere Bogen ist dünner.
Und die "4" an der letzten Stelle sieht völlig anders aus als die "4" an der 6.Stelle.

Ich denke, daß die letzten drei Ziffern mit einem anderem Satz Schlagzahlen angebracht wurden.


Aber warum?


Grüsse.
Bei der Saxonia aus der Ebay Anzeige 236915524598 im Bild 6 steht links die 6 stellige Seriennummer 221847. Dann werden rechts die letzten 3 Ziffern nochmal wiederholt, gefolgt von einem A. Ist das A eine Kennzeichnung für die Urversion? Könnte die Wiederholung der letzten 3 Ziffern eine Stempelung für die technische Abnahme sein?

Der auf dem Schieber eingeschlagene Firmenname Lühr & Co wird im Firmenregister der Stadt Riga von 1883 als Handel mit Nähmaschinen, Geldschränken und Treibriemen geführt.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mi 29. Jul 2026, 19:00
von rubberduck
Hallo inch


die von dir bei ebay entdeckte Nähmaschine entspricht Meiner!
Aber die bei ebay hat Details, die meine nicht hat: Bohrungen für´s bessere Ölen, was sich aber als ganz was anderes entpuppte.


Sollte das dort angegebene Baujahr passen und die ersten sechs Ziffern die fortlaufende Seriennummer sein, so sollte Meine etwas älter sein.


@ Jonas2404:

Für die letzten drei Ziffern der Seriennummer hatte ich eigentlich eine andere Erklärung und dachte, daß es Zufall ist bei Meiner, daß sie identisch mit den mittleren Drei sind. Ich dachte, daß die letzten drei Ziffern einer Nummer für die Zuordnung der Teile in der Produktion sind, da sich auf dem Nähkopf und deren "Innereien" (Nadelstange und Hubstange) gleiche Nummern befinden.

IMG_2319.JPG
IMG_0245.jpg

Zweimal der gleiche Zufall: Das spricht nicht gerade für meine Erklärung!


Ein "A" oder "B" habe ich bei meinen Recherchen des Öfteren gefunden: Es bezeichnet die Größe der Maschine: A=klein und B=groß.


Ich habe mir dann auch die Bilder des ebay Angebots weiter näher angeschaut und fand es toll, daß es bei dieser Maschine in den unteren Bauteilen schon paar Bohrungen für ein einfacheres Ölen gab.

Bei Vergrößerung waren es keine Bohrungen, sondern eine Nummer:
Screenshot 2026-07-29 202450.jpg

Die Gleiche, wie die letzten drei Ziffern der angegebenen Seriennummer!


Interessant wäre zu wissen, was zuerst eingeschlagen wurde: Die fortlaufende 6-stellige Seriennummer und dann die weiteren drei Ziffern, die dann den letzten Drei der Seriennummer entsprechen - Warum sollte man sowas tun!?
Sinnvoller wäre für die Zuordnung der Bauteile eine quasi "werksinterne Nummer", wie die letzten drei Ziffern. Und nach Vervollständigung der Nähmaschine wurde davor die fortlaufende Seriennummer eingeschlagen.


Und es ist tatsächlich Zufall, daß bei zwei Nähmaschinen eine "werksinterne Nummer" mit den letzten drei Ziffern der fortlaufenden Seriennummer überein stimmt!!!



Grüsse.



P.S.: Rein statistisch gesehen liegt dessen Wahrscheinlichkeit zwischen einem "Vierer" und einem "Vierer plus Zusatzzahl" beim Lotto - aber es wäre ein Spiel in Echtzeit geworden: Bei ca. 20.000 Nähmaschinen pro Jahr würden ca. 13 die gleiche dreistellige Werksnummer haben wie die letzten drei Ziffern der Seriennummer.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Do 30. Jul 2026, 20:28
von ravemachine
rubberduck hat geschrieben: Mi 29. Jul 2026, 19:00
Ein "A" oder "B" habe ich bei meinen Recherchen des Öfteren gefunden: Es bezeichnet die Größe der Maschine: A=klein und B=groß.

Bei den deutschen Langschiff-Nähmaschinen handelt es sich um Klone der Singer Langschiff-Nähmaschine "New Family Machine" / "Class 12" (Neue Familien Nähmaschine / Klasse 12), die 1865 auf den Markt kam.

Singer_12_1874_01_IMG_3968.JPG
Singer New Family Machine, Bj. 1874


Sie war die Weiterentwicklung der 1859 eingeführten "Family Machine" / "Letter A" (Familien Nähmaschine / Buchstabe A).

Singer_Letter-A_1859.jpg

Das Konzept Buchstaben als Typenbezeichnung zu verwenden, wurde mit Beginn der Massenfertigung ab ca. 1870 von sämtlichen deutschen Nähmaschinenfabrikanten übernommen, bis schließlich um 1900 die Nähmaschinen-Modelle Nummern erhielten.

Die Singer "Letter A" war zu diesem Zeitpunkt bereits veraltet und so kam es, dass nicht der Nachbau der ursprünglichen Singer Familien Nähmaschine "Letter A", sondern deren Nachfolger "New Family Machine" in unserem Land den Buchstaben "A" als Typenbezeichnung bekam.


Pfaff_A_.jpg
Pfaff "A"



Um mehr Durchgangsraum zu gewinnen, wurde bei gleicher Grundplatte der Arm höher ausgeführt. Die Singer "Family High-Arm" / "Model 48".

Singer 48K.jpg


Deren Klone wurden in Deutschland als "B" bezeichnet.

Duerkopp_2_Familien-B-Maschine.jpg
Dürkopp No.2 Familien-B-Maschine



Die Langschiff-Nähmaschine gab es ab 1870 für Schneider und Schneiderinnen in einer etwas gößeren Ausführung. Die Singer "Medium" / "Class 13".

Singer_Medium_1870.jpg

Die Klone dieses mittelgroßen Modells wurden ebenfalls "Medium" genannt.

Duerkopp_2-5_Medium.jpg
Dürkopp No. 2-5, Medium-Maschine


Die große Schneider-Nähmaschine bekam die Bezeichnung "Titania"

Duerkopp_2-11_Titania.jpg
Dürkopp No. 2-11 Titania-Maschine




Ein Exot unter den Langschiff-Nähmaschinen war die Singer "Patent Cylinder" Handwerker-Nähmaschine.

Hier zu sehen ist der Dürkopp-Klon in einer Annonce von 1882:

Duerkopp_Patent_Singer_Cilinder_1882_.jpg

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Do 30. Jul 2026, 22:01
von Jonas2404
rubberduck hat geschrieben: Mi 29. Jul 2026, 19:00 ...

Interessant wäre zu wissen, was zuerst eingeschlagen wurde: Die fortlaufende 6-stellige Seriennummer und dann die weiteren drei Ziffern, die dann den letzten Drei der Seriennummer entsprechen - Warum sollte man sowas tun!?
Sinnvoller wäre für die Zuordnung der Bauteile eine quasi "werksinterne Nummer", wie die letzten drei Ziffern. Und nach Vervollständigung der Nähmaschine wurde davor die fortlaufende Seriennummer eingeschlagen.

...
Ich habe irgendwo mal gelesen (wo weiß ich nicht mehr, ist länger her). Zuerst wurden die Gussgehäuse und Teile eingeschliffen, danach wurde wieder demontiert und lackiert und dann endgültig montiert. Wenn dass so stimmt, dann wäre mein Tipp zuerst die komplette Seriennummer in das größte Teil - Gehäuse -, dann die 3 Endziffern in die Einzelteile. Wir haben die Ziffernwiederholung bei zwei Maschinen entdeckt, eine wurde zusätzlich noch mit A ergänzt. Vielleicht gab es noch andere zusätzliche Zeichen für Abweichungen während der Fertigung. Dann könnte das einschlagen der letzten Stellen im Rahmen einer Endabnahme sinnhaft sein.

Viele Grüße

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Do 30. Jul 2026, 22:23
von inch
Die Teile damals waren noch nicht untereinander beliebig austauschbar, weil die Toleranzen dies nicht zuließen.
Deshalb wurden Teile jeweils einer Maschine nach der Feinbearbeitung entsprechend gemarkt.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Fr 31. Jul 2026, 13:42
von ravemachine
Jonas2404 hat geschrieben: Do 30. Jul 2026, 22:01
Ich habe irgendwo mal gelesen (wo weiß ich nicht mehr, ist länger her). Zuerst wurden die Gussgehäuse und Teile eingeschliffen, danach wurde wieder demontiert und lackiert und dann endgültig montiert. Wenn dass so stimmt, dann wäre mein Tipp zuerst die komplette Seriennummer in das größte Teil - Gehäuse -, dann die 3 Endziffern in die Einzelteile. Wir haben die Ziffernwiederholung bei zwei Maschinen entdeckt, eine wurde zusätzlich noch mit A ergänzt. Vielleicht gab es noch andere zusätzliche Zeichen für Abweichungen während der Fertigung. Dann könnte das einschlagen der letzten Stellen im Rahmen einer Endabnahme sinnhaft sein.

Viele Grüße
Dieses Modell hat einen niedrigen Arm, es ist also eine Langschiff "A". Evtl. ist das der Grund für das "A".

Wie Inch richtig bemerkt hat:
inch hat geschrieben: Do 30. Jul 2026, 22:23 Die Teile damals waren noch nicht untereinander beliebig austauschbar, weil die Toleranzen dies nicht zuließen.
Deshalb wurden Teile jeweils einer Maschine nach der Feinbearbeitung entsprechend gemarkt.
Es war daher üblich die einzelnen Bauteilen mit den letzten drei Ziffern der Seriennummer zu stempeln, um sie der richtigen Nähmaschine zuordnen zu können.

Die von Singer eingeführten Fertigungstoleranzen, die den Einbau von Ersatzteilen in jede beliebige Nähmaschine der gleichen Baureihe erst ermöglichten, wurden in Deutschland erst spät übernommen. Die erste Nähmaschinenfabrik hier war Pfaff.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: So 2. Aug 2026, 16:51
von rubberduck
Hallo,


ein großes DANKE für die vielen Infos!!!

Revanchieren will ich mich mit einem weiterem Video nach müßigen weiteren Einstellarbeiten:



Das kann man jetzt wirklich "NÄHEN" nennen biggrin biggrin biggrin


Oberseite:
IMG_2427.JPG

Unterseite:
IMG_2428.JPG


Grüsse.