Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Historische Nähmaschinen vergangener Zeiten ohne eigenes Unterforum.
rubberduck
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Registriert: Do 27. Jun 2024, 15:28

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von rubberduck »

Hallo,



es galt jetzt Grundlegendes zu klären: Soll sie nur ein Dekostück mit eventuell musealem Charakter sein oder soll sie wieder Nähen!?
Und soll sie Nähen, mit welchen Zugeständnissen bezüglich des Originals oder überhaupt Zugeständnisse!?

Ich bin für mich zu der Ansicht gekommen, daß alles. was man spurenlos zurückrüsten kann, kein Problem darstellt, aber alle nicht verbauten Teile aufzuheben sind. Weiterhin habe ich für mich beschlossen, sollte die erfolgreiche Instandsetzung eines Bauteil/einer Baugruppe nicht sehr hoch sein oder die Gefahr dessen Zerstörung oder dessen originalen Zustand bestehen, so darf nicht nur sondern soll ein Nachbau, Eigenbau oder die Änderung eines fast passendes Teils geschehen, sofern dieses nicht gleichen Regeln unterliegt.


Unter diesen Gesichtspunkten habe die mir die zu fertigende Kurvenscheibe mitsamt der Nadelstange näher beäugt. Naja, bei der Nadelstange ist ein Stift abgebrochen - diesen ohne weitere Beschädigung der Nadelstange und ohne der Tätigung einer kleinen Bohrung auf gegenüberliegender Seite herauszubekommen, ist mit "handgeführtem" Werkzeug reine Glückssache.
Desweiteren ist die obere Stellschraube immer noch bombenfest, trotz allem Zanften der Rostlösung und viel Geduld (tagelanges Einlegen in Petroleum, leichtes Erwärmen, mit Rostlöser Einsprühen und Co). Ich müßte die Entscheidung treffen zwischen garantiert nicht mehr zanfter Gewalt oder diesen Bereich sehr stark erwärmen - eventeull rotglühend.
Das nennt man "die Wahl zwischen Pest und Cholera"! Und keiner weiß, welche der Vorgehensweisen und überhaupt Eine erfolgreich sein wird und ob bei Erfolg der Gängigkeit (bei "rotglühend) dann die Nadelstange "krumm" ist und damit nicht mehr verwendet werden kann.


Ich habe mich dazu entschlossen, die originale Nadelstange so zu belassen, wie sie ist und nicht zu verwenden!

Aus meiner "Schlacht Langschiffnähmaschine" - demnächst mit SLN bezeichnet - habe ich die Nadelstange genommen und festgestellt, daß sie "halbwegs" paßt. Natürlich zu lang und klemmt in der Führung, wo noch Nacharbeit besteht. Aber besser zu groß als "klappern" biggrin biggrin biggrin
Auch ist die Kurvenscheibe ganz anders geformt und ein wenig zu groß.



Dann hieß es zu Überlegen, ob diese Kurvenscheibe überhaupt verwendet werden kann?
Die SLN hat einen Nadelhub - gemessen an dessem Kurbelrad - von 30mm (Mittelpunkt Kurbelzapfen zur Drehmitte mal zwei). "Meine" hat 27mm. Also kann die Kurvenscheibe in der Breite um jeweils 1,5mm schmäler geschliffen werden ohne das zu befürchten ist, das der Kurbelzapfen "Meiner" "in´s Leere greift". Damit paßt die Kurvenscheibe von der Breite in´s Gehäuse.
Natürlich stellt sich die Frage, ob dann noch eine Nähmaschine funktioniert: Ich habe keine Ahnung, werde es hoffentlich mit dem Ergebnis "Ja, kein Problem" herausfinden.

Da diese Kurvenscheibe "dicker" baut als das originale "Drahtgestell", muß das Kurvenrad weiter nach innen!!!!
Da ich das originale so belasse, wie es ist, habe ich einen "Prototypen-Rohling" gedreht, um überhaupt beurteilen zu können, ob genügend Platz vorhanden sein könnte. Den Bund habe ich ein wenig verkürzt und die Scheibe ein wenig dünner gedreht. Es paßt - den "Rohling" kann ich als Kurvenscheibe fertigstellen.
IMG_2352.JPG
Beim "Prototypen-Rohling" - im letzten Bild zu sehen - beließ ich einen Zapfen zum einfachen Einspannen, um den Rohling der Form des Gehäuses anzupassen, was ich aber garnicht gebraucht habe.


Jetzt denkt man, "der Drop ist gelutscht" - NÖ biggrin biggrin biggrin


Die Kurvenscheibe ist leider an den äußeren Enden zu dick und liegt auf dem Gehäuse der Nähmaschine auf, so daß die Nadelstange schon im Ansatz kein Chance hat, sich hoch und runter zu bewegen. Sch... !!!!

Ich habe dann die Kurvenscheibe bezüglich diesem Dilema bearbeitet.
IMG_2357.JPG

Und es funktioniert:




Des Weiteren später.



Grüsse
IMG_2348.JPG
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rubberduck
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Registriert: Do 27. Jun 2024, 15:28

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von rubberduck »

Hallo,


ich konnte jetzt der Nadelstange die ersten Auf-/und Ab Bewegungen durch Drehen der Welle abgewinnen.

https://youtube.com/shorts/HlZKI_Fos9A

Bis das Alles halbwegs leichtgängig läuft, wird´s noch einiges an Zeit brauchen.


Auch ist mittlerweile der "Schiffchenhalter" wieder freigängig:

https://youtube.com/shorts/EEg5lh9hVDo


Verwendet habe ich den "Schiffchenhalter" der Schlachtmaschine.

Doof bei der Sache ist, daß zwar alles super leichtgängig ist, aber man das Schiffchen nicht von oben einlegen kann, es klemmt - Es fehlen nur einige Zehntel Millimeter!

Also habe ich mit das Original genauer angeschaut.

IMG_2368.JPG


Bezüglich der Spitze ist das Original ein wenig nach unten geformt. Aber die eigentlichen Abmaße erscheinen recht identisch.

Dann habe ich mir den originalen Schiffchenhalter genauer angeschaut.

IMG_2367.JPG

Im direktem Vergleich sieht man sofort den Unterschied: Die Grundplatte ist ein wenig dünner.
Also heißt es vorsichtiges Schleifen bis das Schiffchen überhaupt reinpaßt und dann später weiterschleifen bis ein ausreichender Spalt für den Faden vorhanden ist.


Je mehr man macht desto mehr fallen einem auch Details auf: Das Schiffchen meiner Schlachtmaschine ist schon nicht "an jede Ecke" günstig bekommbar. Aber beim originalem Schiffchen (mit nach unten geneigter Spitze) sieht es anders aus: Man findet vielleicht ein für Unsummen Verkauftes.

Dieses bestärkt mich, den bestimmt zeitaufwendigen Aufwand für die Änderung des Schiffchenhalters der Schlachtmaschine zu tätigen.



Grüsse.



P.S.: Es geht viele kleine Schrittchen vorwärts und dabei finden sich viele weitere vorwärts zu tätigen Schrittchen.

Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen biggrin biggrin biggrin
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rubberduck
Beiträge: 318
Registriert: Do 27. Jun 2024, 15:28

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von rubberduck »

Hallo,


beim Anschauen meiner Bilder ist mir ein weiteres Detail aufgefallen, was für die weitere Reparatur/ Restauration unwichtig ist, aber für die Baujahrbestimmung interessant/ wichtig sein könnte.

Es geht um die Befestigung der Nähnadel.

Auch meine Schlachtmaschine ist älteren Baujahrs - um die 135 Jahre alt. Sie war ein "Beifang" und im zerlegtem Zustand. Nach Sichtung stellten sich viele Fehlteile heraus, die dessen Wideraufbau unsinnig gemacht hätten.

Hier dessen Nähnadelbefestigung im direktem Vergleich:

IMG_2358.JPG


Sie sind identisch dessen Prinzip und der Abmessungen - sind also austauschbar.

Aber sie haben auch einen gravierenden Unterschied: Die Nadelstange der Schlachtmaschine (rechts im Bild) hat einen angeschraubten horizontalen Anschlag für die Positionierung der Nähnadel.
Das muß damals eine echte Innovation gewesen sein: Nicht nur für den Tausch einer abgebrochenen Nadel- so denke, sondern auch eine andere Nadel für Anderes verwenden zu können, ohne müßig die Einstechtiefe einzustellen - ohne UNS, Google, YouTube, ... - also richtig echt autodidaktisch tätig werden. Und hat man sich damals "vertan", so kann der Weg in die Armut folgen.
Nähnadeln waren damals sehr teuer und dessen Verfügbarkeit sehr schlecht - also lange Warten für dessen Ersatz.

Deshalb denke ich, daß der horizontale Anschlag durchaus damals beworben wurde, da damit quasi ein "Plug-and Play" die Nadelhöhe geschaffen wurde.



Grüsse.
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rubberduck
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Registriert: Do 27. Jun 2024, 15:28

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von rubberduck »

Besteht hier überhaupt noch Interesse, wie ein Idiot (ICH) einen unbeweglichen rostigen Haufen Schrott wieder beweglich macht.
Und sogar damit wieder nähen will.
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Kerstin
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Registriert: Do 13. Feb 2025, 19:27

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von Kerstin »

Hallo rubberduck!
Bleib dran, wir lesen und fiebern mit!
Ich finde es total spannend, wie Du aus dem Schrotthaufen eine eiserne Lady hervor zauberst!
Liebe Grüße Kerstin.
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Jonas2404
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Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von Jonas2404 »

Bitte mach weiter.
Ich lese voller Spannung mit und freue mich über weitere Folgen. Leider bin ich nicht so tief im Thema, um interessante Kommentare abzugeben und habe mich deshalb zurückgehalten.

Viele Grüße
Birgit
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inch
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Registriert: Di 19. Dez 2023, 14:58

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von inch »

rubberduck hat geschrieben: ↑Mi 8. Jul 2026, 21:13 Besteht hier überhaupt noch Interesse, wie ein Idiot (ICH) einen unbeweglichen rostigen Haufen Schrott wieder beweglich macht.
Klar doch und unbedingt! biggrin
Gerne gebe ich meinen "technischen Senf" ab und an hinzu, verfolge aber auch sehr entspannt deine einzelnen Schritte und finde die meistens ziemlich gut! 1f44d
Das du mit diesem ehemaligen Klumpen Rost wieder nähen wirst - da mache ich mir überhaupt keine Sorgen, gespannt bin ich auf den weiteren Weg deiner Wiederherstellung dieser alten Nähmaschine.
Слава Україні! Ukraine-Direkthilfe: https://prytulafoundation.org/en oder: Spenden per SMS an RTL Kinderhilfe - 10 €/SMS 44844 Stichwort: "Ukraine"
rubberduck
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Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von rubberduck »

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Zuletzt geändert von rubberduck am Fr 10. Jul 2026, 06:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Jonas2404
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Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von Jonas2404 »

rubberduck hat geschrieben: ↑Do 9. Jul 2026, 00:11 ...
Warum mach ich mir den Aufwand eine detaillierte Restauration darzustellen.

Zu Blöd !?!



Grüsse.
Finde ich überhaupt nicht blöd, ist für das Oberstübchen wesentlich besser als nur abzuhängen und macht viiieeeel mehr Spaß. wink
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ravemachine
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Registriert: Do 14. Dez 2023, 16:39

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Beitrag von ravemachine »

Das Gefühl, welches man bekommt, wenn dieser Rostklumpen wieder näht, ist unbeschreiblich.

Diese Belohnung ist jede Mühe wert.

Bleibe drann. par24
Viele Grüße
Paul
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