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Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mi 24. Jun 2026, 23:13
von Kerstin
Spannende Geschichte! Viel Glück bei der Wiederbelebung!

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Do 25. Jun 2026, 20:11
von ravemachine
Das ist ja eine interessante Wendung.

Wenn also Liebscher die Nähmaschinen aus Sachsen bezog, dann könnte es tatsächlich eine Saxonia von Clemens Müler aus Dresden sein.

Siehe dazu bei Peter Wilhelm im Buch "Alte Nähmaschinen" auf Seite 100. Dieses Buch sei allen Nähmaschinenliebhabern ans Herz gelegt.

alte_NM_0_01.jpg

Clemens Müller Saxonia, 1886

Clemens_Mueller_Saxinoa_1886.jpg
Liebscher.jpg

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mo 29. Jun 2026, 19:24
von rubberduck
WO GEHOBELT WIRD FALLEN SPÄNE!


Hallo,


beim Zerlegen sind es bis jetzt "drei Späne":

- Ein gebrochenes Übertragungselement, was einfach zu reparieren ist und wohl auch von der "Schlacht-Nähmaschine" paßt.
IMG_2341.JPG

- Den Nähkopf mit Nadelstange, Hubstange und Co hatte ich jetzt vier Tage in Petroleum eingelegt und in die Sonne gestellt. Davor, dazwischen und hinterher immer wieder mit Rostlöser eingesprüht.
IMG_2332.JPG

Als ich die oberen "Schrauben" endlich überhaupt drehen konnte, hab ich weiter "Chemie" wirken lassen bis ich die "Schrauben" herausdrehen konnte. Dann habe ich mittels Zange am Vierkant von Nadel- und Hubstange ein wenig gehebelt und sah, daß sich da was bewegt. Aber mit welcher "Stange" anfangen? Ich entschied mich für die Nadelstange, da ja darauf auch die Kurvenscheibe verstiftet ist und somit als erstes auszubauen ist.
Dann nahm ich mein Hämmerchen und hab oben ein wenig zart geklopft, dann unten, wieder oben, dann unten, ... und dann machte es "Knack" und ein Stück von der Kurvenscheibe flog weg und der Vierkant der Hubstange stand plötzlich knapp einen Millimeter über das Gehäuse.
Ich habe dann erstmal die Reste der Kurvenscheibe "geborgen" (das weggeflogene Teile habe ich nicht wieder gefunden), zwecks eventuellen Nachbau, falls nicht noch irgendjemand sowas zufällig hat.
IMG_2337.JPG

Nach paar weiteren zarten Hammerschlägen konnte ich die Nadelstange zerstörungsfrei herausnehmen, wie auch die Hubstange!

Das nächste Mal werde ich die Hubstange mittels Gripzangen oder Ähnlichem vor nicht beabsichtigten "Lösen" sichern.


- Nachdem ich der oberen und der nach unten gehenden Welle wieder "Bewegung eingefößt" habe, mußte ich mit Entsetzen feststellen, daß beim oberen Kegelrad zwei Zähne abgebrochen sind.
IMG_2338.JPG

Ob ich diesen Schaden verursacht habe, kann ich nicht ausschließen, aber das ist eigentlich egal!!!

Eventuell eine Kurvenscheibe "von Hand zu Fertigen" ist schon eine richtige Herausforderung, aber bei solch einem Zahnrad muß ich kapitulieren!!!!

Mein Kopf begann dann zu arbeiten - Kapitulation GIBS NICHT! : Eventuell dort Material auftragen (schweißen, löten oder sonstwas und dann die Zähne feilen, .... )
Aber dann war Stillstand und ich begann wieder normal zu denken. Mir fiel ein, daß die Stichplatte identisch mit einer "normalen" Langschiffnähmaschine ist und warum sollte sie andere Kegelzahnräder bauen, wenn sie nichtmal was anderes für die Stichplatte bauen.
Ganz schnell habe ich dann die "Schlacht-Nähmaschine" gesichtet um festzustellen, daß Aussendurchmesser und Zähnezahl identisch sind und damit die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, daß es paßt.
Auch der Ausbau ging reibungslos.
IMG_2340.JPG

Ob der Innendurchmesser identisch ist, habe ich noch nicht gemessen, was aber egal ist: bei zu klein wird er aufgebohrt, bei zu groß wird eine Buchse gefertigt.


Jetzt muß auf jeden Fall die obere Welle demontiert werden - aber wie?
IMG_2326.JPG

Beim Antriebszahnrad läßt sich nichts lösbares finden. Normal ist alles versplintet. Ich gehe schon davon aus, daß dieses Zahnrad versplintet ist, aber daß Das rechts daneben nicht zum Zahnrad gehört, sondern eine Hülste ist, worunter die Versplintung ist.
Also muß das rechte Kurvenrad irgendwie abnehmbar sein - also auch versplintet - wo ich aber noch nicht weiter geforscht habe.



Der Rest ist zu nahezu 95% zerstörungsfrei demontiert - die fehlenden 5% baten um eine "Extradusche" "Chemie", was sie auch bekommen haben! biggrin biggrin biggrin


Hier paar Bilder der demontierten Teile:
IMG_2333.JPG
IMG_2326.JPG
IMG_2336.JPG
IMG_2342.JPG

Speziell beim letztem Bild hätte ich nie gedacht, diese Teile nur annährend zerstörungfrei zu demontieren.



Was mich gewundert und erfreut hat, daß vielleicht/wahrscheinlich ein Großteil der Teile wieder Verwendung finden kann. Auch nach ordentlicher Reinigung/Instandsetzung werden dessen "Narben" einer sehr lange Vernachlässigung ersichtlich bleiben.
Auch werde ich die Nähmaschine mit dem "Fuß" nicht lackieren. Jeder Stückchen Originallack wird erhalten.

Sieht doch toll aus in nur "geölt"!
IMG_2325.JPG

Wobei ich da noch was anderes finden muß und werde, um gleiche Optik ohne ölige Oberfläche zu erzielen.



Grüsse.

Re: Antike Nähmaschine - "Hot oder Schrott"

Verfasst: Mo 29. Jun 2026, 22:35
von inch
Hast du es geschafft, die Welle zu ziehen und die Zahnräder zu tauschen? Das wäre phänomenal bei diesem Rost - und wenn, dann meine Glückwünsche dazu!!
Was ich bei so bösen Teilen mache, ich erwärme die Teile mit einem kleinen Gasbrenner, manchmal auch Heißluftpistole und bringe anschließend Petroleum oder WD40 auf/ein, um eventuelle minimale Ausdehnungen zwischen den Teilen durch die Erwärmung zu nutzen.
Damit habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht.
Kennst du die Methode, Metall mit Leinöl zu streichen und das ganze dann mit offener Flamme "abzufackeln"? Das ergibt eine sehr haltbare Schicht mit einmaligem Outfit von schwarz-rauchig bis durchsichtig. Ich habe das mal von einem Stahlmöbel-Designer abgeguckt und später auch selbst ausprobiert an Zaunelementen.